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Die erfolgreiche Zwischenprüfung

von RA Daniel Feilmeier

17.09.2015

 

Klausurtaktik und Vorbereitung

 

Während noch vor einigen Jahren in Jura keine Zwischenprüfung existierte ist sie nun fester Bestandteil in den Prüfungsordnungen vieler Bundesländer. Sinn und Zweck der Zwischenprüfung ist es, möglichst frühzeitig einen Einblick in die eigene Leistungsfähigkeit zu bekommen und damit nicht jahrelang Jura zu studieren, um am Ende des Studiums das Examen nicht zu schaffen und als „Abiturient mit Rechtskenntnissen“ die Universität verlassen zu müssen.

 

Die Anforderungen, die in der Zwischenprüfung gestellt werden, sind nicht so hoch, dass ihnen nicht genügt werden könnte. Gleichwohl habe ich als Korrektor einiger Zwischenprüfungsklausuren teilweise grausame Erfahrungen gemacht. Das, was ich dort zu lesen hatte, zwang mich einige Male Noten im untersten Bereich zu geben und dies ist wahrlich kein Vergnügen.Dieser Beitrag will es Teilnehmern der Zwischenprüfung ermöglichen, ihre Prüfungsvorbereitung so zu planen und zu gestalten, dass sie ihre Klausur möglichst sicher bestehen. Auch wenn es sich gewiss nicht um „10 goldene Regeln“ handelt und deren Beachtung auch keine Garantie für das Bestehen darstellt, so kann doch die Fehlerquote einer Klausur bei Beachtung dieser Regeln vermindert werden.

 

1. Die Vorbereitung

 

Unerlässlich für eine erfolgreiche Zwischenprüfung ist eine gewissenhafte Vorbereitung. Dazu gehört der regelmäßige Besuch der Vorlesung und der vorlesungsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften ebenso wie die Lektüre des Standardwerkes (bspw. Pieroth / Schlink bei den Grundrechten) und ggf. aktueller Aufsätze. Unklarheiten sollten durch Nachfragen beim Dozenten geklärt werden. In der Prüfung ist es dafür zu spät.

 

2. Die Schrift

 

Der Bearbeiter sollte darauf achten, seine Klausur leserlich abzufassen. Es ist evident, dass die Zwischenprüfung keinen Schönschreibwettbewerb darstellt, sondern der Überprüfung von Rechtskenntnissen zu dienen bestimmt ist. Auch kann juristischer Nonsens nicht durch Schönschrift ausgeglichen werden. Dennoch wirkt eine optisch ansprechende Arbeit einfach besser. Dies sollte sich der Bearbeiter zu nutze machen.

 

3. Die Gliederung

 

Es muss erkennbar sein, dass der Bearbeiter seine Lösung durchdacht hat und die Probleme des Falles in die Lösung einzuordnen weiß. Der Bearbeiter sollte sich hier zweckmäßigerweise anerkannter Schemata bedienen (bspw. Anspruch entstanden, erloschen, durchsetzbar) freilich ohne diese blind auf den Fall anzuwenden. Fehlerhaft ist es, wenn am Ende des Prüfungspunktes „Schutzbereich“ (eines Grundrechts) der Satz steht: „Es liegt folglich kein Eingriff vor.“ Damit offenbart der Bearbeiter, dass er nicht in der Lage ist, zwischen Schutzbereich und Eingriff zu unterscheiden.

 

4. Der Inhalt

 

Die Zwischenprüfung ist kein Examen und keine Dissertation. Der Prüfling soll vielmehr zeigen, dass er in der Lage ist, in einer vorgegebenen Zeit (i. d. R. 2 Stunden) einen Lösungsweg zu erarbeiten. Dies kann nur, wer die Grundlagen sicher beherrscht. Wer bspw. in der Zwischenprüfung den „Grundsatz vom Vorbehalt des Gesetzes“ noch nicht kennt, sollte sich nicht allzu große Hoffnungen auf eine erfolgreiche Zwischenprüfung machen. Zum Grundwissen gehört auch ein sicherer Umgang mit der Terminologie. Der Bearbeiter muss sich darüber im Klaren sein, dass „Begründetheit“ und „Begründung“ einer Verfassungsbeschwerde nicht dasselbe sind. Auch sollte der Unterschied zwischen „Einwendung“ und „Einrede“ bekannt sein.

 

5. Die Arbeit mit dem Sachverhalt

 

Völlig unterschätzt wird die Arbeit mit dem Sachverhalt. Es leuchtet ein, dass es einen Korrektor nicht begeistern wird, wenn von der Begründetheit der Verfassungsbeschwerde des X gesprochen wird, während im Sachverhalt nur ein Y auftaucht. Auch ist es ungenau, wenn davon gesprochen wird, die Verfassungsbeschwerde sei „erhoben worden“ während der Sachverhalt danach fragt, ob die Verfassungsbeschwerde mit Aussicht auf Erfolg „erhoben werden“ könnte.

 

6. Zitieren von Normen

 

Der Bearbeiter sollte so oft wie möglich die einschlägigen Normen zitieren. Damit dokumentiert er seine Kenntnis des Gesetzes. Dabei sollte er darauf achten, das Gesetz zu bezeichnen (also „Art. 5 GG“ und nicht nur „Art. 5“) und möglichst präzise zu zitieren, also „§ 90 II 1 BVerfGG“ und nicht nur „§ 90 BVerfGG“.

 

7. Die Sprache

 

Die Sprache ist deutsch. Dies gilt nicht nur vor Gericht (vgl. § 184 S. 1 GVG), sondern auch in der Zwischenprüfung. Erschreckend ist, dass viele Teilnehmer gerade hier noch erhebliche Defizite haben. Ist dies bei einem ausländischen Studenten noch verständlich kann es bei einem Peter Mustermann nicht mehr toleriert werden. Auf die Bildung grammatikalisch richtiger Sätze sollte daher geachtet werden.

 

8. Der Gutachtenstil

 

Von großer Bedeutung ist weiterhin der Gutachtenstil. Dieser hat 4 Schritte (Obersatz - Definition - Subsumtion - Ergebnis), die der Bearbeiter beherrschen muss. Dabei sollte stets darauf geachtet werden, dass im Ergebnis exakt die Tatbestandsvoraussetzung bejaht oder verneint wird, deren Prüfung im Obersatz angekündigt wird. Freilich ist dieser Stil bei völlig Unproblematischem nicht sklavisch einzuhalten, aber der Bearbeiter sollte keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass er den Gutachtenstil beherrscht. Insbesondere die Subsumtion darf nicht vergessen werden, da eine Klausur ohne Subsumtion wertlos ist.

 

9. Richtige Schwerpunktsetzung

 

Von Bedeutung ist auch eine richtige Schwerpunktsetzung. Wird in einer Klausur im Öffentlichen Recht die Meinungsfreiheit geprüft und § 185 StGB in der Sachverhaltsangabe mit abgedruckt, so ist dies i. d. R. ein Hinweis, dass diese Norm in der Falllösung von Bedeutung ist. Geht der Bearbeiter dann auf § 185 StGB mit keinem Wort ein und thematisiert stattdessen Zitiergebot, Verbot des Einzelfallgesetzes und Wesensgehaltsgarantie, so zeigt dieser Bearbeiter, dass er Wesentliches nicht von Unwesentlichem unterscheiden kann.

 

10. Vermeiden von Nonsens

 

Schließlich sollten Bearbeiter versuchen, evidenten Nonsens zu vermeiden. Sätze wie „Die Verfassungsbeschwerde ist begründet, wenn sie den Beschwerdeführer in seinen Grundrechten verletzt.“, „Das Gesetz ist angemessen, wenn die Menschenwürde verletzt ist.“ oder (im Strafrecht) „Die Körperverletzung ist wieder verheilt. Damit ist der Tatbestand nicht erfüllt.“ (Kein Witz!) lassen erhebliche Zweifel an den Fähigkeiten des Prüflings aufkommen. Derartige Sätze sind daher zwingend zu vermeiden.

 

RA Daniel Feilmeier, LL.M. (Eur.)
Korrektor und AG-Leiter in München, Repetitor (2009-2011),
facebook-Autor bei C.F. Müller: www.facebook.com/cfmueller-campus