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Warum Jura

Warum studiere ich Jura – tue mir das an? Auf dieser Durststrecke, in der sich 90% meines Lebens in der Bibliothek abspielt, frage wohl nicht nur ich mich das. Ich lerne, schlafe, und esse dort. Stehe morgens mit hunderten anderen Leuten davor; es herrscht eine Stimmung als würden ACDC schon seit vier Stunden auf sich warten lassen. Wenn die Tür aufgeht, geht das ...

08.02.2016
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Warum studiere ich Jura – tue mir das an? Auf dieser Durststrecke, in der sich 90% meines Lebens in der Bibliothek abspielt, frage wohl nicht nur ich mich das. Ich lerne, schlafe, und esse dort. Stehe morgens mit hunderten anderen Leuten davor; es herrscht eine Stimmung als würden ACDC schon seit vier Stunden auf sich warten lassen. Wenn die Tür aufgeht, geht das Wettrennen mit mehreren Tüten in der Hand los, um Plätze zu belegen. Da müssen die Ellenbogen ausgefahren werden, sonst steht man ohne Sitzplatz oder Bücher da. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

 


Einerseits kann das daran liegen, dass ich (shame on me!) während des Semesters doch nicht genug gelernt habe. Andererseits muss ich mir immer wieder bewusst machen, dass ich mich wie Justitia viel zu oft ganz auf den juristischen Sachverhalt konzentriere und dabei die Auswirkungen von Recht in der Welt jenseits von Jura aus den Augen verliere. Dabei ist doch das das Spannende. Und ich glaube es ist wichtig, ein Ziel aus dieser Welt vor Augen zu haben, das motiviert.
„Warum studierst du denn Jura?“ Genau diese quälende, von vielen Seiten schon oft gestellte Frage war Teil einer Umfrage, die im Rahmen unserer Rechtssoziologie-Vorlesung im 1. Semester durchgeführt wurde.

 


Man muss sagen: Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus – von „ich übernehme die Kanzlei meines Vaters“ über „ich wusste nicht was ich sonst machen soll“ zu „Ich will Menschen helfen“. Die Umfrage ist natürlich keinesfalls repräsentativ: 222 von 500 Studenten nahmen teil. Davon lehnten 14 der 222 das Statement „Es ist eine Aufgabe von Juristinnen und Juristen mit Hilfe des Rechts soziale Gerechtigkeit zu erreichen.“ eher ab. Nur 71 Studenten stimmten dem vollkommen zu.

 


Ich gebe zu, ich war mehr als nur erstaunt. Ich war davon ausgegangen, dass auch Idealismus (zumindest zu Beginn des Studiums) und ein gewisses Vertrauen in den Rechts- und Sozialstaat eine große Rolle bei der Entscheidung zu einem Jurastudium spielen. Dann klingen die drei illusorischen Gründe „Anerkennung“, „Geld“ und „keine Angst vor der Arbeitslosigkeit“ wohl doch zu gut. Aber solange diese Motivationen (welche auch immer) vorhanden sind, reichen sie ja auch, um das noch ein paar Jahre durchzuhalten. Vielleicht geht der Idealismus aber auch einfach nur jedes Semester in der Klausurvorbereitung flöten, und sobald die Batterien wieder aufgeladen sind, kommen auch die Begeisterung, das Interesse und der Weitblick wieder.

 


Eine gute Woche, haltet durch!


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