Alle Treffer anzeigen
Dieses Fenster schließen

Warum ich Jura studiere

Letztens war ein runder Geburtstag in der Familie ein Anlass zu einer Versammlung vieler Verwandten und Bekannten, die man lange Zeit nicht gesehen hat. Selbst heute noch werde ich mit Aussagen begrüßt wie: „Mensch bist du groß geworden!“ Früher habe ich über solche Begrüßungen stets die Augen verdreht, aber heute nehme ich sie als Kompliment. Die Veränderungen, die man im Leben durchläuft, werden einem erst ...

04.05.2017
3 Bewertungen

 

Letztens war ein runder Geburtstag in der Familie ein Anlass zu einer Versammlung vieler Verwandten und Bekannten, die man lange Zeit nicht gesehen hat. Selbst heute noch werde ich mit Aussagen begrüßt wie: „Mensch bist du groß geworden!“ Früher habe ich über solche Begrüßungen stets die Augen verdreht, aber heute nehme ich sie als Kompliment. Die Veränderungen, die man im Leben durchläuft, werden einem erst durch die Augen anderer bewusstgemacht.


Bei Essen und Wein kamen dann die Fragen: Du studierst doch Pharmazie – „Nein, das war meine Schwester“. „Ah stimmt, du studierst Architektur...“ „...auch nicht, ich...“ „Ah, das war deine Zwillingsschwester...“ „Nein, die hat Möbeldesign studiert. Ich studiere Jura.“ Pause. Ich sehe die Klischees förmlich wirr durch den Kopf der fragenden Person fliegen. „Jura? Ist das nicht total trocken?“


Die Antwort kenne ich auswendig! Ich spule das Gegenargument runter. Routine. Menschen reagieren beinahe ungläubig, wenn ich gestehe, dass mir das Studium Spaß macht, sehr sogar. Noch ungläubiger reagieren sie jedoch, wenn ich anmerke, dass ich vielleicht gar keine Anwältin werden will. „Aber dir macht doch das Studium Spaß, oder nicht?“ Sie scheinen mich bei einer vermeintlichen Lüge ertappt zu haben. Doch für mich ist das Jura-Studium nicht unbedingt ein Studiengang, der für einen bestimmten Beruf, nämlich den eines Anwalts oder Juristen, ausbildet. Dafür sind die 2 Jahre Referendariat zuständig.


Einige Blog-Beiträge zuvor habe ich erörtert, was Jura denn eigentlich genau sei: Eine Wissenschaft oder doch eine Technik. Je länger ich studiere, desto mehr bin ich der Überzeugung, dass es sich bei Jura um eine Technik handelt. Und diese Technik ist gleichzeitig ein universelles Werkzeug für beinahe alle Herausforderungen und Probleme, denen man in den verschiedenen Bereichen des Lebens und des Berufs begegnet. Bevor ich angefangen habe, zu studieren, hatte ich viele Träume: Eine Karriere als Journalist oder doch lieber die Laufbahn als Filmproduzent? Kein Studiengang wollte sich so vollkommen all meinen Wünschen und Träumen anpassen – abgesehen von Jura. Durch die Freiheiten, die man in der Studiengestaltung erfährt, kann ich all diese Träume weiterverfolgen.


Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit den Fach Jura: Es handelte sich um ein Seminar während meines letzten Jahrs im Gymnasium. Der Dozent war praktizierender Rechtsanwalt und hielt nebenher Vorträge an der Universität. Er begann das Seminar mit einem theatralischen Begrüßungsmonolog. Damals dachte ich, er scherzt mit uns jungen, ahnungslosen Teilnehmern im stickigen Büro-Raum, heute weiß ich, er meinte es todernst.

„Jura...“, so sprach er geheimnisvoll, „wird euer Leben verändern: Die Art wie ihr denkt und handelt wird sich grundlegend wandeln. Ihr werdet euch nicht dagegen wehren können! Solltet ihr euch für das Jura-Studium entscheiden, dann ist das eine Entscheidung fürs Leben.“ Bis heute bin ich selten jemandem begegnet, der so enthusiastisch von dem teilweise verpönten Studienfach geredet hat, wie der Dozent damals. Egal, welchen Berufsweg ich also nach den beiden Staatsexamina einschlage, im Herzen und im Kopf werde ich wohl immer Jurist bleiben.


Herzliche Grüße aus Freiburg

Eure Maja


Kommentare

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag