Alle Treffer anzeigen
Dieses Fenster schließen

Tagebuch einer Träumerin

So, der erste Schock ist verdaut. Das ändert zwar nichts daran, dass jeder Tag nur mit einer gehörigen Portion Angst und Panik vergeht, aber es ist schon mal etwas. Und da ich glaube, dass ich nicht die letzte sein werde, die mal durchfällt, hier eine kurze Aufzählung der Dinge, die einem zur Verfügung stehen, wenn man an der Uni mit Jura mal so richtig aufgelaufen ist ...

19.03.2018
2 Bewertungen

So, der erste Schock ist verdaut. Das ändert zwar nichts daran, dass jeder Tag nur mit einer gehörigen Portion Angst und Panik vergeht, aber es ist schon mal etwas. Und da ich glaube, dass ich nicht die letzte sein werde, die mal durchfällt, hier eine kurze Aufzählung der Dinge, die einem zur Verfügung stehen, wenn man an der Uni mit Jura mal so richtig aufgelaufen ist. In aufsteigender Reihenfolge, von „Gar nicht hilfreich“ bis „Absolut essentiell“ :

1. Kein bisschen hilfreich war der Typ vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit. Der hat mir gleich mal professionelle Hilfe angeraten, nachdem er gemerkt hat, wie schlecht es mir mit der ganzen Situation geht - wow. Wie weitsichtig, vielen Dank auch.

Ein Psychologe kann in dieser Situation für einige sicher hilfreich sein, um Burn-Out und Depressionen vorzubeugen oder weg zu therapieren, aber tatsächlich kann er einem diese Last, durchgefallen zu sein, nicht abnehmen. Das kann keiner und von daher habe ich mich darüber nur aufgeregt. Dass es einem in so einer allumfassenden, den Rahmen sprengenden Krise natürlich nicht gut geht, ist eine völlig normale und angemessene Reaktion.

2. Justitia Mentoring
Das Frauenförderprogramm der Jurafakultät. Dabei stellen sie meist Erstis oder Drittsemestern eine erfahrenere Jurastudentin oder junge Berufsanfängerin zur Seite, um ihnen als Mentorin durchs Studium zu helfen - also fachlich wie persönlich. Und das Schöne ist, dass sie auch für solche Spezialfälle wie mich da wären, falls sie sich denn jemals noch melden und mir eine Mentorin zuteilen.

3. Zentrale Studienberatung
Also nicht die der juristischen Fakultät, sondern die ganz allgemeine. Sie können bei der Ausarbeitung von anderen Wegen und Karrieremöglichkeiten helfen. Ich bin mir zwar nicht hundertpro sicher, aber ich glaube, zumindest die Beraterin mit der ich gesprochen habe, war Psychologin, denn sie war wirklich extrem einfühlsam.

4. Stabstelle Ex-o-Rep der juristischen Fakultät Freiburg
Was es damit auf sich hat? Das ist ein Büro, in dem eine sehr freundliche junge Frau sitzt, die Examenskandidaten berät, die sich ohne Repetitorium auf das Examen vorbereiten möchten. Sie gibt Hilfestellungen bzgl. Erstellung eines Lernplans, schaut sich Klausuren aus dem Examensklausurenkurs an und gibt Hinweise zu Gründen, weshalb das mit dem Bestehen im Examen möglicherweise nicht geklappt haben könnte. Und dann gibt sie Tipps, wie man diese Gründe ausmerzen kann. Das hat mir persönlich fachlich bisher am allermeisten geholfen, besonders bei der Entscheidung, ob es sich überhaupt lohnt, nochmal zu schreiben.

5. Alle und alles, was einen motiviert und inspiriert wieder zu träumen
Auf einmal muss man sich von diesem extrem fokussierten Ziel „Examen“ auch abwenden können, um sich zu überlegen, was man tut, wenn man wieder scheitert. Oder, ob man nicht vielleicht sogar eine viel bessere Möglichkeit für sich im Leben sieht, um glücklich zu werden. Sich diese Gedanken zu machen, ist unglaublich schwer und hat besonders mich, die ich mich immer sehr mit Jura identifiziert habe, in eine noch tiefere Krise gestürzt. Und erst vor ein paar Tagen habe ich mir überlegt, als einen meiner vielen anderen Wege, nochmal über meine Literatur nachzudenken. Ich, eines Tages als erfolgreiche Schriftstellerin - das wär' schon was. Dieser Weg ist nur ganz schwer planbar, aber es gibt ein paar Mittel und Wege in der Branche auf sich aufmerksam zu machen, also los! Sobald es sich anbietet, schaue ich mal, was da so geht.

Manche mögen Träumerei für naiv und zeitverschwenderisch halten, aber eigentlich ist es doch genau das, was uns als Menschen immer voran gebracht hat. Wenn sich nicht mal irgendjemand gedacht hätte, dass es praktisch wäre, eine nie enden wollende Kerze zu haben, gäbe es heute keine Elektrizität und Glühbirnen und erst recht keine Energiesparlampen. Jeder, den wir heute als Visionär verehren, hat mit nicht mehr angefangen als einem Traum:
Für Nelson hieß der Traum „Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen, Ende der Apartheid“, für Barack hieß er „Gleichberechtigung für alle Amerikaner“ und für Joanne Kathleen „Mit Harry in ein neues Leben“. Und alle sind diesen Träumen in ihrem und durch ihr Leben zumindest ein Stück näher gekommen. Im letzten, besten Fall, ist der Traum in Erfüllung gegangen und zwar noch viel besser, als es sich irgendjemand vorstellen konnte.

6. Beste Freundin, die nicht Jura studiert und enge Freunde aus dem Studium, die mit einem selbst Examen geschrieben haben. Ja, ohne die, die man liebt, geht halt einfach gar nichts.


In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!

 


Kommentare

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag