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Tagebuch einer… ich weiß auch nicht

Die Überschrift dieser Blogreihe könnte auch lauten: „Tagebuch einer, die glaubte es hinter sich zu haben“ oder „Tagebuch einer, die es eben doch nicht geschafft hat, und dachte, dass man so leicht nicht durchfällt“. Tja, so wars dann doch nicht. Der erste Versuch ist ...

09.02.2018
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Die Überschrift dieser Blogreihe könnte auch lauten: „Tagebuch einer, die glaubte es hinter sich zu haben“ oder „Tagebuch einer, die es eben doch nicht geschafft hat, und dachte, dass man so leicht nicht durchfällt“. Tja, so wars dann doch nicht. Der erste Versuch ist so richtig mit Anlauf in die Hose gegangen.

Nun ist die schlimmste Woche meines Lebens (wo das Ergebnis an einem Dienstag verkündet wurde) schon mehr als einen Monat vergangen, der Schock hat sich gesetzt. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass es eigentlich nicht hätte schlimmer kommen können. Die Tage, an denen man sieht, wie die anderen weiter kommen, von Kanzleien umschwärmt werden, anfangen eigenes Geld zu verdienen, sind am Schwersten. Natürlich haben sie es alle 1000%ig verdient, nur im Hinterkopf ist immer diese Stimme, die findet, dass man es selbst eben auch verdient hätte, zumindest vier Punkte gehabt zu haben.

Oder, wenn in den Nachrichten irgendwo steht, dass ja ein solcher Mangel an Richtern und Staatsanwälten besteht, da denkt man sich nur: „Ich will doch, aber ihr lasst mich nicht. Warum wundert ihr euch denn??“ Stattdessen steht man ohne alles da, als hätte man seit fünf Jahren nur gefaulenzt und nichts getan (Und so kommt das bei den Eltern und Nicht-Juristen leider auch an). Dabei hat man alles und noch mehr gegeben. Dieser Systemfehler in unserem Jurastudium (mit Ziel Staatsexamen), Studenten nach fünf Jahren Studium nicht einmal einen Bachelor zuzuerkennen, kann keinem als gerecht oder sinnvoll erscheinen. Er produziert tendenziell Sozialfälle (Burnout wegen Frustration/Überarbeitung und im Schlimmsten Fall sogar Harz IV) und kostet die Allgemeinheit mehr, als wenn man die Anforderungen an das Bestehen des Jurastudiums einfach herunterschrauben würde. Vielleicht ähnlich wie in der Schweiz: Bachelor, Master, Anwaltsprüfung. Selbst wenn man letztere nicht besteht, kann man zumindest im Unternehmen arbeiten und hat einen Studienabschluss. Dann kann man sich mit 24, 25 Jahren selbst finanzieren und sogar Steuern zahlen, anstatt vage darauf zu hoffen, das nächste Mal doch vielleicht noch zu bestehen.


Die Kraft, Sorgen und Anstrengung die dieses zweite Mal jedoch kosten wird, kann man sich kaum vorstellen, wenn man es nie am eigenen Leib oder in der Familie erfahren hat. Das hoch gelobte Leistungsprinzip, mit dem die kapitalistische Gesellschaft doch relativ weit gekommen ist, wird hier einfach ausgehebelt durch Willkür von einzelnen Korrektoren, die ihr eigenes Ego an Examensklausuren befriedigen müssen. Das ist traurig und armselig. Denn nach anderthalb Jahren Examensvorbereitung kann mir keiner erzählen, dass man diejenigen nicht zumindest bestehen lassen kann, wenn man die Stärken einer Klausur nur sehen will.

Jetzt muss ich mich eben umsehen und mich damit abfinden, dass ich mein geliebtes Baby Jurastudium, den großen Traum, unter Umständen begraben kann, wenns nächsten Herbst wieder nicht klappt. Und davon muss man ja offensichtlich leider ausgehen. Aber wer bin ich noch, wenn ich mein Studium, Jura, nicht mehr habe? Jahrelang tut man alles und kommt an seine physischen und psychischen Grenzen, für das eine große Ziel Jurist zu werden und am Ende soll man sich easy damit abfinden, eben doch einfach Krankenschwester zu werden. Was soll denn das?? Das macht alles einfach keinen Sinn. Nun bin ich studierte Abiturientin - wow. Danke. Danke für nichts.

Sorry heute wird’s nicht mehr positiver.
Bis zum nächsten Blogeintrag!


Kommentare

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1 Kommentar zu diesem Beitrag
Ben Aviv kommentiert am 15.02.2018 um 00:16:
Liebe Fabienne, ich kann, mag mir kaum vorstellen, mit welchen Gedanken du dich konfrontiert siehst. Und ich danke dir, dass du diese mit uns teilst und dabei Einblicke in eine Gedankenwelt gewährst, das uns alle wie ein Dämon jagt. Aber während dir nun vermutlich alle sagen, wie leid es ihnen tut, möchte ich mich in diese Reihe nicht eingliedern. Ich möchte dir viel mehr gratulieren. Die Leistung der Examensvorbereitung verlangt uns alles ab und ist wohl die entbehrungsreichste Zeit, die man als Student generell durchleben muss. Das Examen selbst ist eher ein Anschlag, als eine Abschlussprüfung. Dass du dich dem gestellt hast sagt wesentlich mehr über deine Leistungsfähigkeit, deine Liebe zur Rechtswissenschaft und deine Kämpfernatur aus, als es ein mal mehr und mal weniger willkürliches Bewertungsergebnis jemals könnte. Selbst Thomas Fischer hat einmal gesagt "Überforderung, Demoralisierung, Demütigung sind Teil der Ausbildung. Sie sind nicht die "Ausrutscher", sondern die Eckpfeiler des Systems." In einem solch pathologischen System eine Niederlage hinnehmen zu müssen, ist keine Schande sondern eher ein institutioneller Fehler. Du hast dich hingegen darüber definiert, wie du mit dieser Niederlage umgegangen bist und dafür hast du meinen Respekt verdient. Einer meiner besten Freunde hat in seinem ersten Examen deine Erfahrung geteilt und führt heute eine respektabel erfolgreiche Boutiquekanzlei. Von weiteren motivierenden Evidenzen verschone ich dich jetzt, obwohl sie leicht aufzuzählen wären. Das Glück ist mit den Mutigen und das du mutig bist, hast du uns allen, vor allem aber dir selbst gezeigt. Vielen Dank!