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Tagebuch einer Examenskandidatin - Teil 7

Das Examen ist nun zwei Wochen her. Man möchte meinen, der Druck würde langsam abfallen und für manche gilt das bestimmt auch. Aber für mich nicht. Befreit bin ich erst, wenn das Ergebnis da ist und das wird ...

28.09.2017
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Das Examen ist nun zwei Wochen her. Man möchte meinen, der Druck würde langsam abfallen und für manche gilt das bestimmt auch. Aber für mich nicht. Befreit bin ich erst, wenn das Ergebnis da ist und das wird nicht vor Mitte Dezember sein.

Aber der Mensch in mir kommt langsam zurück nachdem ich nur noch Jurist war. Ich habe mein Zimmer von maximaler Examenseffizienz wieder so umgestellt, dass es schön aussieht und nicht nur praktisch ist. Nun ist die Zeit sich zu erleichtern: Von überflüssigen Skripten und irrtümlich im ersten Semester als notwendig erachteten Lehrbüchern. Oder von Studienunterlagen, die jahrelang nur als eingestaubte Ordner ganz unten im Regal standen. Aber auch die Stehlampe die nicht zum Interieur passt muss weg, sowie die Winterjacke, die nicht mehr getragen wird. Je mehr ich loswerden kann, desto befreiter kann ich sein.


Und vielleicht bekomme ich dann auch meinen Schlaf zurück, den ich während der Examensvorbereitung verloren habe. Denn auch, wenn ich mich noch so bemühe, holt er mich des Abends nicht ab und ich bleibe wach. Und da ich nun mal ein schrecklicher Grübler bin, kreisen meine Gedanken dann um Szenarien, wie meine Klausuren dann bewertet werden und was ich dann wohl für einen Schnitt habe. Sinnlos und zermürbend. Dann versuche ich an was Schönes zu denken und lande doch nur wieder bei Tragik. Es ist eine komische Zeit gerade.


Was mich aber das erste Mal in meinem Leben tatsächlich überrascht hat ist die Wahrheit in der Aussage: „Es kommt eh alles anders als man denkt“. Ich hasste diesen Kommentar von Leuten, denen ich von meinen strahlenden Zukunftsträumen vorgeschwärmt habe und die dann nur träge abwinkten: „Es wird eh alles anders als man denkt“. Das hat sich immer so frustriert angehört. Ich hatte immer die verstörende Vorstellung, dass ich eines Tages morgens im Bett aufwachen würde, starr vor Schreck und mir denke: „Heute schreibe ich Examen“. Das ist natürlich dämlich, da das Examen nicht nur an einem Tag geschrieben wird. Und tatsächlich habe ich diesen Tag zumindest bis jetzt (wer weiß, ob ich nicht nochmal schreiben muss) nicht erlebt. Ich bin jeden Morgen gefasst aufgestanden, weil ich wusste, dass ich mein Bestes zur Vorbereitung gegeben habe. (Und nicht weniger als das war auch nötig.)


Und da es für andere vielleicht hilfreich sein könnte, möchte ich hier mal meine Strategie erläutern, weil es so für mich gut geklappt hat.


Nur eins vorweg: Ohne ein Maximum an Disziplin und Fleiß wird das nix.


I Erstes Jahr/ Rep-Zeit:


1. Zuerst: Besuche ein Rep deiner Wahl. Entgegen dem ständigen Rat meines Lieblingsrepetitors würde ich sagen, dass man weiter kommt, wenn man die Rep-Fälle IMMER nach der Stunde nacharbeitet und die Streits/Probleme/Schemata und schwierige Gedankengänge auf Karteikarten packt oder sich Zusammenfassungen darüber schreibt. Benutzt dazu verschiedene Kartenfarben: Weiß für Wissen, Grün für Schemata und Gelb für Definitionen oder so. Und wenn Zeit bleibt, bereitet auch die Sitzungen vor, besonders zu Themen von denen ihr gar keine Ahnung habt. Sonst sitzt man im Rep und versteht nur Bahnhof, was einfach auch sinnlos ist.


2. Mach einen Examensklausurenkurs, wo die Klausur korrigiert wird. Das kann der an der Uni sein, das sind meist Samstagskurse. Oder der, der vom Rep angeboten wird. Noten kann man da meist getrost ignorieren, weil diese Klausuren nach allem was ich erfahren und teilweise auch bestätigt bekommen habe, extrem streng, geradezu unrealistisch streng korrigiert werden.


3. Wenn du irgendwo in deinem Tagesplan noch Zeit hast, z.B. abends oder mal über Mittag, lies aktuelle Rechtsprechung. Das hat mir gerade auch beim Examen in BW geholfen. Für Hessen ist es quasi eh fahrlässig, es nicht zu tun, weil da immer viel Rechtsprechung drankommt. Zu empfehlen ist dafür die RÜ.


4. Wenn im Klausurenkurs mal Pause sein sollte: Löse Fälle für dich allein und kontrolliere die Lösung selbst. Alles Wissen bringt dir nichts, wenn du nicht weißt, wann du es wo anbringen kannst/musst.


II Nach dem Rep/ halbes Jahr:

1. Ich habe immer geschaut, dass ich alle Fälle direkt nach der Repsitzung nachbereitet habe und damit auch fertig wurde. Wenn nicht am selben Tag, zumindest in derselben Woche. Dann war ich drei Tage nach Rep-Ende auch mit Nachbereiten der Fälle durch und konnte meine Karteikarten wiederholen. Also ausrechnen: Anzahl aller Karteikarten (bei mir waren es ca. 1600) geteilt durch die Tage bis eine Woche vor der ersten Klausur ist gleich die Anzahl, die man täglich auswendig lernen muss. Weil ich mich zwischendurch verzählt habe, meine Berechnungen also falsch waren, hab ich irgendwann Panik bekommen und viel mehr Karteikarten gelernt als nötig waren. So war ich vier Wochen früher fertig als geplant und konnte alle Karteikarten zwei Mal durchgehen.


2. Daneben Fälle lösen! Zumindest drei die Woche. Also einer im Examensklausurenkurs der Uni und zwei weitere Fälle z.B. die man im Rep-Klausurenkurs nicht mitgeschrieben hat, wenn man dazu auch Lösungen bekommen hat. Sonst schaut mal in die juristischen Ausbildungszeitschriften.


3. Falls an der Uni gute Ex-o-Rep- Kurse angeboten werden: Inhaltlich (Fall lösen!) vorbereiten und hin gehen. In Freiburg ist das Kaiser-Fallrep Gold wert!!


4. Wenn dann das vorgenommene Tagespensum geschafft ist: zufrieden heimgehen. Achja: Lernort und Zuhause trennen tut gut. Lernt vor allem in der UB.


III Zumindest fünf Tage vor dem Examen sollte man sich nochmal ausruhen. Wenn man völlig fertig in diese zugegebenermaßen wirklich schlimmen 10 Tage geht, hält man das kaum durch und die Klausuren leiden darunter.


IV Während dem Examen
Mir hat es geholfen, den Stoff der am nächsten Tag wohl drankommen wird nochmal zu wiederholen. Also vor der ersten Klausur: Schuldrecht und AT, vor der zweiten Klausur: Sachenrecht, die Dritte: Alles was sonst noch nicht dran war, am Wochenende Öffentliches Recht, vor allem Staatsrecht, danach vor der 5. Klausur Landesrecht und am Mittwoch vor der Strafrechtsklausur nochmal Strafrecht. Manche mag das nur noch nervöser machen, aber mir hat es geholfen und vor allem war das Wissen dann wieder frisch und präsent in der Klausur.


V So sollte es klappen.
Die Kombi aus Wissen und Fällen, Fleiß und eiserner Disziplin (eine Freundin nennt das gern „Hingabe“) macht's. Zumindest habe ich mich gut vorbereitet gefühlt und weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch hätte mehr tun können. Also kann ich auch die Note gut verkraften, egal wie sie aussieht, denn ich weiß: Mehr ging von meiner Seite aus nicht, der Rest ist Glück.

 


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