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Tagebuch einer Examenskandidatin - Teil 1

Ich bins mal wieder und möchte euch ein wenig aus meiner Vorbereitungszeit fürs erste Examen berichten. Um es vorweg zu nehmen: Macht euch keine Illusionen - es ist anstrengend. Aber: Wenn man ...

24.05.2017
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Hallo zusammen,


ich bins mal wieder und möchte euch ein wenig aus meiner Vorbereitungszeit fürs erste Examen berichten. Um es vorweg zu nehmen: Macht euch keine Illusionen - es ist anstrengend. Aber: Wenn man im Rep immer brav nachbereitet, danach noch ein halbes Jahr die 1.351 Karteikarten lernt, die man beim Nacharbeiten produziert hat, dann noch circa drei Klausuren die Woche löst, dann wird das. Das sag ich mir jedenfalls. Im Dezember wissen wir mehr ;)


Mueslischale.png
Mueslischale.png

Nun zu einem ganz gewöhnlichen Tag im Leben eines Examenskanidtaten, wie es sie vermutlich zu 1.000en gibt. Irgendwann, also manchmal, also eigentlich jeden Tag regen einen die irrwitzigsten Sachen auf. Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass die Farbe meiner Müslischüssel bedeutenden Anteil an meiner allmorgendlichen schlechten Laune hat. Leider konnte ich auf die Schnelle keine bessere Müslischale finden. Die Quintessenz davon ist, dass ich morgens einfach kein Müsli mehr esse. So ist zumindest dieser Stolperstein auf dem Weg zur Wunschnote im Examen überwunden.

Next: Die Tram. Dazu muss ich sagen: Ich schätze mich sehr glücklich, nur ungefähr sechs Minuten mit der Straßenbahn zur Unibibliothek zu haben. Diese sechs Minuten reichen aber jeden Tag aus, um mich zu wundern. Zu wundern über Leute, die mitten im Eingang stehen und seelenruhig jeden Ein- und Aussteigenden sich um sie herum quetschen lassen. Oder die, die nicht weiter ins Innere des Fahrzeugs durchgehen, obwohl auch ihnen nicht entgangen sein dürfte, dass der Eingangsbereich mit zwei Doppelkinderwägen, einem Rentnerbuggy, einem Rollstuhlfahrer und zwei Zeugen Jehovas samt fahrbaren Prospektaufstellern ein bisschen eng geworden ist und andere Leute nicht mehr einsteigen können.


Dann, endlich an der Haltestelle raus, und jeden Morgen aufs neue scheinen alle Leute um mich herum früh aufgestanden zu sein, um in der Innenstadt erst mal einen gepflegten Spaziergang zu unternehmen. Keiner scheint ankommen zu wollen oder auch nur ein konkretes Ziel zu haben. Meine Fähigkeit im Stechschritt Slalom zu laufen, habe ich bis September sicher perfektioniert. Wie jeder überkandidelte Karrierejurist, werde ich mir auch diese Fähigkeit in den Lebenslauf schreiben.

So, endlich an meinem zweiten Wohnsitz, der Unibibiliothek angekommen, ärgere ich mich als nächstes, wenn ich nicht mein Lieblingsschließfach ganz vorne auf Augenhöhe bekomme. Zur Not tuts auch das darunter. Und ja, wenn man so oft in der UB rumhängt hat man ein Lieblingsschließfach.

Dann rauf in den dritten Stock - bloß nicht in den zweiten, da ist das Juridicum. Meine Hoffnung auf einen stillen, viel Pause-machenden Nebensitzer und einen nicht-nasebohrenden Gegenüber wird nur manchmal erfüllt. Jeden Tag um 12 kommt der Liebslingsteil meines Tages: das Mittagessen. Nicht weil ich so hungrig wäre, oder ich unsere Mensa so anbete, sondern weil es am Kommunikativsten ist. Und weil ich im Rep eine sehr liebe neue Freundin gefunden habe, die mich schon aus so manchem Sinntief gezogen hat. Passenderweise sieht sie mit ihren blonden Korkenzieherlocken, den blauen Augen und dem runden Gesicht aus wie ein kleiner Engel. Ich hoffe sehr, dass wir auch noch lange nach dem Examen Freundinnen bleiben.


Nach dem Mittagessen und dem obligatorischen Kaffee (obwohl ich die dünne Brühe nicht mag, aber eben wegen dem guten alten Koffein trinke) hofft man jeden Tag, nicht in das so genannte „Fresskoma“ zu sinken. Jeder, der sich in der UB so um 14.30 schon mal umgeschaut hat, weiß was ich meine. Meine Vermeidungsstrategie: Zu Mittag immer möglichst low carb essen! Kohlenhydrate liegen zu schwer im Magen, das saugt zu viel Energie, die das Gehirn eigentlich dringender braucht.

Und irgendwann ist es Abend und man denkt sich, dass man seinem Lernplan für heute eigentlich genüge getan hat oder dass das alles doch eh keinen Sinn hat. Und es geht wieder heim. Und wehe am Nachmittag war der Lernerfolg nicht mehr so wie man sich das vorgestellt hat, oder die Lösungsskizze der aktuellen Klausur macht andere Sachen als ich. Dann wird jeder mit einem bitterbösen Blick abgestraft, der es auch nur wagt, komisch zu gucken, ein unmögliches Outfit anzuhaben, das nicht der aktuellen Saisonmode entspricht oder seine Buchseite zu laut umblättert. Die armen anderen UB-Nutzer. Aber ich bin ja in absehbarer Zeit weg ;) Haltet durch!

Dann eine Wiederholung vom Straßenbahntrauma vom Morgen.


Und ENDLICH zuhause: Dieses Gefühl, wenn man im Bett liegt und Arme und Beine sich so schwer anfühlen, als könnte man sie nie wieder bewegen, der Kopf aber viel zu stark unter Strom steht, um zu schlafen oder auch nur zu entspannen. Sehr uncool, kann ich sagen. Um das wieder loszuwerden wird mehr nötig sein, als zweimal lang Ausschlafen. Nach dem Examen werde ich mein Bett eine Woche lang nur verlassen, wenn ich in die Küche oder ins Bad muss.

So, jetzt wisst ihr was euch bevor steht - freut euch schon mal drauf. Mein großer Tipp: Besorgt euch keine Müslischüsseln, die euch deprimieren. Am Rest könnt ihr eh nichts ändern.

Bis bald, ich


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