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Jura, das „freie“ Studium

Ich war letztens mit einer Freundin Kaffee trinken. Sie studiert molekulare Medizin in Bonn. Wir beide tauschten uns über unsere neuen Erfahrungen mit unseren Studiengängen aus. Sie erzählte von langen Stunden im Labor, wie sie fast jeden Wochentag bis abends an der Uni verbrachte. Ich offenbarte ihr ...

02.04.2016
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Ich war letztens mit einer Freundin Kaffee trinken. Sie studiert molekulare Medizin in Bonn. Wir beide tauschten uns über unsere neuen Erfahrungen mit unseren Studiengängen aus. Sie erzählte von langen Stunden im Labor, wie sie fast jeden Wochentag bis abends an der Uni verbrachte. Ich offenbarte ihr beinahe mit einem schlechten Gewissen, dass ich maximal 4-6 Stunden am Tag an der Universität verbrachte und freitags frei hatte. Prüfungen wurden in molekularer Medizin ständig geschrieben. Ich hatte in meinem ersten Semester lediglich meinen Grundlagenschein absolviert. Wie in vielen Naturwissenschaften ist das Studium der molekularen Medizin streng getaktet. Es ist verschulter als Geisteswissenschaften. Du kennst alle deine Kommilitonen, du hast kleinere Gruppen und du wirst öfters auf Leistung und Anwesenheit überprüft. Dem gegenüber steht das Jura-Studium: Es gibt kaum Anwesenheitspflicht, die Semester sind riesig und ab und zu wird mal eine Prüfung geschrieben.

 

 

Das heißt nicht, dass es das Studium einfacher macht. Meine Kommilitonen werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass solche Freiheiten im Studium einem gerade am Anfang Schwierigkeiten bereiten. Man fühlt sich verloren und anonym. Sich nicht bloß wie eine von vielen Martrikelnummern zu fühlen – dazu bedarf es einen Freundeskreis und die kleineren AGs. In der freien Zeit muss man sich ganz neu organisieren. Wann lerne ich Staatsrecht, Strafrecht, BGB etc.? Klar am Anfang hält sich das alles sehr in Grenzen. Aber es ist eben nicht empfehlenswert, wie früher in der Schule auf die Prüfungen zu lernen. Es ist meist viel zu viel Lernstoff, um das in die gewohnten 3-4-Tage langen Bulimie-Lernphasen zu stopfen.

 

 

Und manchmal beschleicht mich das ungute Gefühl, dass ich gar nicht richtig lernen kann. Viele andere beschäftigt das auch. Unzählige Aufsätze dazu auf juristischen Foren belegen die Unsicherheit vieler Studenten, wie sie den unbestimmten Mengen an Lernstoff begegnen sollen. Eines steht ganz klar fest: Es gibt keinen perfekten Guide zum richtigen Lernen. Aber lernen ist meist etwas, was man unterbewusst tut. In einer Diskussion mit Kommilitonen, beim Schreiben einer Hausarbeit oder dem Bearbeiten von Fällen.

 

 

Es geht beim Jura-Studium nicht hauptsächlich um das sture vorm Schreibtisch-Hocken und auch nicht darum, einen Lernmarathon in der UB zu starten. Da Studium lebt von der kritischen Auseinandersetzung mit Problemen. Es lebt von einem Rundumblick, von Neugier. Beides lässt sich vor allem außerhalb der UB entwickeln. Eine Anwältin hat mir einmal gesagt, dass sie während des Studiums beim Joggen gelernt hat. Ein Anwalt meinte, er habe sich immer schöne Orte zum Lernen ausgesucht. Ich lerne bei gutem Wetter im Botanischen Garten bei mir in der Nähe.

 

 

Für mich ist das freie Studium die perfekte Art des Studierens geworden. Ich kann mich in andere fachfremden Vorlesungen setzen und alle möglichen anderen Dinge ausprobieren. Vieles davon harmoniert dazu auch noch sehr gut mit dem Studium. Ich könnte mir zumindest nicht mehr vorstellen, Mathe-, Physik- und Chemie-Vorlesungen zu besuchen.

 

 

Damit beste Grüße aus dem sehr sonnigen und warmen Freiburg!

Eure Maja


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