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Ist das normal

Die Hauptfächer sind geschafft, und wie es sich für Erstsemester gehört, haben die meisten gemerkt, dass sie noch an ihrem Zeitmanagement feilen müssen. Wenn das saubere Definieren und Subsumieren dazu führt, dass ...

22.02.2016
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Die Hauptfächer sind geschafft, und wie es sich für Erstsemester gehört, haben die meisten gemerkt, dass sie noch an ihrem Zeitmanagement feilen müssen. Wenn das saubere Definieren und Subsumieren dazu führt, dass am Ende keine Zeit mehr bleibt, die wirklich wichtigen Probleme auszuarbeiten, dann ist da wohl etwas schief gegangen.

 


Diese Woche geht es in den Endspurt: Rechtsgeschichte und Rechtssoziologie stehen noch auf dem Plan. Während es draußen in Strömen regnet, und eigentlich bei allen die Luft schon lange draußen ist, diskutieren wir über Marx, den Rechtspluralismus, TV-Richter und welche Funktionen Recht hat, aber auch, wie Recht tatsächlich wirkt. Im Strafrecht zum Beispiel werden Dinge oder Menschen als „kriminell“ markiert und damit gleichzeitig anderes Verhalten als „normal“, als üblich, als der Norm entsprechend festgelegt. Recht bewirkt also in vielen Fällen etwas, was als Normalisierung oder aber Stigmatisierung bezeichnet werden kann.

 


Wenn das Recht die Ehe für Homosexuelle öffnet, behält es dann nicht die „normale“ Form privaten Zusammenlebens bei und stärkt diese Norm sogar? Ein anderes Beispiel der „Normalisierung“ durch Recht wäre das Gleichstellungsrecht, die Frauenquote oder andere Regelungen zur Gleichstellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt.
Auch der Sozialphilosoph Jürgen Habermas hat sich mit dieser Thematik beschäftigt und meint dazu: „Jede Regel, die Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt oder am Arbeitsplatz, in der Ehe oder nach einer erfolgten Scheidung, im Hinblick auf soziale Sicherheit, Gesundheitsvorsorge, sexuelle Belästigung, Pornographie usw. ausgleichen soll, beruht auf einer Interpretation von Unterschieden geschlechtstypischer Lebenslagen und Erfahrungen. Soweit sich Gesetzgebung und Justiz dabei an tradierten Deutungsmustern orientieren, befestigt das regulative Recht die bestehenden Stereotype der Geschlechtsidentität. Mit den „Normalisierungseffekten“, die Gesetzgebung und Justiz auf diese Weise erzeugen, werden diese selbst zum Teil des Problems, das sie lösen sollen.“

 


Dieses Dilemma muss einem erst einmal bewusst werden: Recht fixiert ein Problem, um es zu lösen und schreibt es so aber wieder fort. An einer Definition von „Normalität“ versucht sich der frühere Generalstaatsanwalt Fritz Bauer in diesem Interview, sehr schön ausgedrückt ab 5.22: www.youtube.com/watch?v=5VNwHHWJaRY

 


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