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Zwei Dinge haben mich letzte Woche beschäftigt: Das eine, ein Rätsel: „Was ist der Unterschied zwischen Anarchisten-Fußball und Anarchisten-Handball?“ Ein Rätsel, das uns unser Zivilrechtsprofessor letzte Woche stellte. Eine kleine feine Auswahl der eingesandten Antworten ...

21.06.2016
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Zwei Dinge haben mich letzte Woche beschäftigt: Das eine, ein Rätsel: „Was ist der Unterschied zwischen Anarchisten-Fußball und Anarchisten-Handball?“ Ein Rätsel, das uns unser Zivilrechtsprofessor letzte Woche stellte. Eine kleine feine Auswahl der eingesandten Antworten aus dem Wettbewerb:

 


„Die Bestürzung der Fußballer bei ausbleibender Belohnung ihrer Schwalben ist der Unterschied.“
„Mit Blick nach Frankreich ist der Unterschied ein gradueller: der Leviathan, der den Urzustand unter Fußballern beendet, muss erheblich schrecklicher sein. Anarchismus und Fußball schließen sich mithin ontologisch aus.“
„Mit dem Unterschied zwischen dem Anarchisten-Fußball und dem Anarchisten-Handball verhält es sich wie mit dem Mangelfolgeschaden: Viele Kommilitonen sprechen davon, aber eigentlich gibt es ihn gar nicht.“
„Anarchisten-Handball gibt mehr Punkte beim Wort-Kniffel.“

 


Unser Professor hat noch keine passende Lösung gefunden.

 


Das andere, eine unverständliche Tragödie. Wie kann es sein, dass in einem Land, das – clearly – ein Problem mit Waffengewalt hat, jeder ein halb-automatisches Sturmgewehr kaufen und besitzen darf? In dem nach jedem weiteren dieser Ereignisse dieselben Phrasen, Worte des Bedauerns, der tiefen Trauer ausgesprochen werden. Im Jahr 2015 starben 12.942 Menschen in den USA durch Waffengewalt; im Durchschnitt 36 Menschen pro Tag. Außer in Austin gab es seit 2013 in jeder großen amerikanischen Stadt ein mass shooting (in dem 4 oder mehr Menschen umgekommen sind).

 


Ich frage mich, wann nicht nur ein großer Teil der Öffentlichkeit in den USA, sondern auch der Kongress begreift, dass es Handlungsbedarf gibt. Die Gründerväter der amerikanischen Verfassung haben brillante Arbeit geleistet. Eine Verfassung für einen Willkommensstaat, für eine repräsentative Demokratie zu schaffen, die schon mehr als 200 Jahre überlebt hat, ist eine unglaubliche Leistung.

 


Trotzdem muss man sehen, dass auch die Gründerväter in manchen Dingen falsch lagen. Und zu diesen Fehlern gehört das zweite amendment. Davor war es das Wahlsystem, und davor die Sklaverei – hier war sogar ein Bürgerkrieg vonnöten, um die Verfassung zu ändern. Jetzt wäre es an der Zeit, das zweite amendment abzuschaffen. Auch das ist schon passiert, als der 21. Zusatzartikel die landesweit gültige Alkoholprohibition, die mit dem 18. amendment eingeführt worden war, 13 Jahre später wieder aufhob.

 

Der zweite Zusatzartikel der Verfassung ist nicht mehr zeitgemäß. Er ist eine Gefahr für die amerikanische Bevölkerung. Als er 1791 in die Verfassung aufgenommen wurde, gab es keine Sturmgewehre. Ich bin mir sicher, dass die Gründerväter wussten, dass sich die Welt ändert und die Technik sich entwickeln wird. Aber sie konnten und mussten wohl nicht abwägen, dass ein Einzelner ganz alleine 49 Menschen umbringen und 53 (teils schwer) verletzen kann. Diese Risiko-Nutzen-Rechnung ist heute jedoch von großer Relevanz. Die Befürworter des zweiten Zusatzartikels reden immer nur von Freiheit. Die Freiheit, Waffen zu haben sei von höchster Bedeutung, und diese Freiheit zu beschränken würde sie in ihren Grundrechten verletzen.

 


Aber die Freiheit ist ein vielfältiger Begriff. Sie beinhaltet auch die Freiheit, eine unbeschwerte Nacht mit Freunden zu verbringen, zu tanzen wie man tanzen will und zu lieben wen man lieben will. Sie beinhaltet die Freiheit, seine Kinder zur Schule zu schicken, zur Arbeit zu gehen, zum Friseur zu gehen, sich sozial zu engagieren, in eine Abtreibungsklinik oder ins Kino zu gehen. Sie beinhaltet die Freiheit, überallhin zu gehen ohne die Angst und das Risiko, von jemandem niedergeschossen zu werden, der eine Waffe handhabt die so einfach und so schnell so vielen das Leben nehmen kann.

 


Die Freiheit einiger, eine Waffe zu tragen, kann keinen Vorrang mehr haben vor der Freiheit aller, ihr Leben zu leben ohne die Gefahr, einfach so umgebracht zu werden.

 


Einige Republikaner haben inzwischen kleinere Änderungen des zweiten amendments vorgeschlagen: Eine „No-Gun List“ zum Beispiel, auf die Leute gelangen, von denen das FBI bewiesen hat, dass sie in „terroristische Aktivitäten“ involviert sind. Mit über 300 Millionen Waffen im privaten Eigentum und keinem Backgroundcheck vor dem Kauf, kann trotzdem jeder gefährlich werden. Selbst Donald Trump hat zugegeben, dass es Dinge zu ändern gilt, nicht ohne hinzuzufügen: „Aber wir können nichts tun, was das zweite amendment verletzen würde. Die Menschen brauchen ihre Waffen, um sich zu beschützen. Und das sieht man heute mehr denn je.“ Während die Demokraten den nächsten großen konzertierten Einsatz planen, um die Republikaner zum Handeln zu zwingen, tweetet die NRA „Gesetze hindern keine Terroristen.“

 


www.thetrace.org/2015/12/gun-violence-stats-2015/

 


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