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Erster Tag Zweites Semester

Ich bin zwar noch ziemlich platt, weil ich bis nachts um halb drei mit den lästigen Punkten in der Gliederung meiner Hausarbeit gekämpft habe - ich habe einiges gelernt dabei ...

19.04.2016
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Erster Tag. Zweites Semester. Ich bin zwar noch ziemlich platt, weil ich bis nachts um halb drei mit den lästigen Punkten in der Gliederung meiner Hausarbeit gekämpft habe - ich habe einiges gelernt dabei:


Das Schreiben dauert immer länger als man denkt – ob man wie ich drei Tage lang versucht, seine Gehirnwindungen um den Doppelirrtum im Mauswieselfall und den Doppelirrtum im Fall der Hausarbeit zu winden, oder sich angesichts des Touristenlärms vor der Bibliothek und der Sonnenstrahlen, die sich zwischen die Bücherregale verirrt haben, dann doch entschließt, den Nachmittag lieber mit einem Buch und Freunden im Park zu verbringen –, eine Woche mehr zum Schreiben der Hausarbeit einzuplanen vermeidet durchgemachte Nächte und übermüdete Fehler.


Jura hat doch mehr mit Logik zu tun, als ich geglaubt hatte. Auch wenn jeder Studienberater mich darauf hingewiesen hatte, dass nicht nur sprachliche Fertigkeiten sondern auch logisches Denken von großem Vorteil für ein Jurastudium wären, habe ich jetzt erst begriffen, dass sie Recht hatten. Wie schwer das manchmal ist, wenn man nicht die größte Matheleuchte war und nach stundenlangem Grübeln und Diskussionen vor einem Blatt mit wirren Zeichen, vielen, vielen Pfeilen und obskuren Schemata sitzt und selbst nicht mehr versteht, was man sich damit eigentlich verständlich machen wollte. Womit wir beim nächsten wären:


Seinen „Denkknoten“ jemandem erklären, sortiert das Wirrwarr im Kopf. Auch wenn ich danach meinen fachfremden Gesprächspartner davon überzeugen muss, dass die Rechtsprechung nun mal mehrere Rücktrittsmöglichkeiten mit mehr oder weniger hohen Anforderungen anerkennt. Ob das „kausal für die Erfolgsverhinderung“ verantwortlich zu sein, dann als genug und gerecht erscheint, oder nicht, ist jedem selbst überlassen.


Wissenschaftliches Arbeiten kann unglaublichen Spaß machen. Ob das kleine Spitz-Züngigkeiten im Lehrbuch der anderen Ansicht oder so gute Anfangszitate wie in den Aufsätzen von Ingeborg Puppe sind „Any effort in philosophy to make to obscure obvious is likely to be unappealling, for the penalty of failure is confusion, while the reward of success is banality. An answer, once found, is dull, and the only remaining interest lies in a further effort to render equally dull what is still obscure enough to be intriguing.” (Nelson Goodman, The Structure of Appearance).


Ich freue mich auf die Diskussionen und Denkanstöße in den nächsten Monaten – mit Grundrechten und der Strafrechtsreform kommt da auf jeden Fall einiges auf uns zu.


Und damit wünsche ich Euch allen einen guten Start ins neue Semester!


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