Alle Treffer anzeigen
Dieses Fenster schließen

Dürrenmatts „Justiz“

„Der junge Anwalt (…) erkennt zu spät, in welche Falle ihn die Justiz geraten läßt, weil er sie mit der Gerechtigkeit verwechselt („Justiz“, Friedrich Dürrenmatt, 1957).“ Mit diesem Zitat stelle ich heute einmal ...

25.05.2016
Jetzt bewerten!

„Der junge Anwalt (…) erkennt zu spät, in welche Falle ihn die Justiz geraten läßt, weil er sie mit der Gerechtigkeit verwechselt („Justiz“, Friedrich Dürrenmatt, 1957).“
Mit diesem Zitat stelle ich heute einmal einen meiner Lieblingsromane mit seinem vielleicht bekanntesten Satz vor: „Justiz“ heißt der Kriminalroman vom Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt aus dem Jahre 1957.

 

 

Wer die Physiker von Dürrenmatt gelesen oder auf der Bühne gesehen hat, kennt den schrägen, teilweise ins Absurde laufende Humor des 1990 verstorbenen Dramatikers. Nicht nur die Geschichte an sich mutet ungewöhnlich an, sondern auch der Aufbau des Romans, der mit verschachtelten Zeit- und Handlungssträngen absichtlich verwirrt. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive eines Rechtsanwalts namens Felix Spät erzählt. Dieser wird als junger Jurist im Auftrag eines verurteilten Kantonrats dazu beauftrag, einen Mord unter der Annahme, dieser sei nicht Mörder, erneut zu untersuchen. Zu diesem Zeitpunkt fühlen wir uns an bereits bekannte Geschichten erinnert, wie die aus dem Film „Die Verurteilten“ oder aus Stephen Kings Werk „The Green Mile“.

 

 

Aber „Justiz“ ist in allerlei Hinsicht anders: Das Werk startet mit einer klaren Sachlage – ein Kantonsrat erschießt vor aller Leute Augen in einem Lokal den Professor Winter. Er wird festgenommen und wie erwartet wegen Mordes verurteilt. Die Geschichte nimmt jedoch ihren spannenden, faszinierenden Lauf, als der Prozess erneut aufgerollt wird. Plötzlich scheint vieles nicht mehr so klar: Das Motiv und die Tatwaffe fehlen.

 

 

Entgegen der Erwartungen an einen klassischen Kriminalroman, wird im Laufe der Geschichte nicht mehr, sondern immer weniger Klarheit gewonnen. Wer sich einmal als Jurastudent mit einem besonders komplizierten Sachverhalt auseinandergesetzt hat, kennt das Gefühl. Hinzu kommt, dass die Erzählfigur sich während ihrer Erzählung betrinkt. Diesem Umstand ist es zu „verdanken“, dass so mancher Satzbau etwas aus den Fugen gerät.

 

 

Schlussendlich spiegelt der Kriminalroman auf wundervolle und humorvolle Art und Weise die große Frage nach der Gerechtigkeit und wie diese überhaupt durch die Justiz erreicht wird oder werden kann. Es geht auch um Macht, Wahrheit, Wirklichkeit und die grotesken und absurden Seiten des Rechtssystems und der Prozesse.
„Justiz“ regt, wie alle anderen Werke Dürrenmatts, zum Nachdenken an und ist eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Lektüre für jeden Jurastudenten, der am Ende des Tages seinen Blick von den Lehrbüchern und Gesetzen wenden will.

 

 

Und damit schöne Grüße aus dem nun wieder sonnigen Freiburg!

Eure Maja


Kommentare

Mein Kommentar
Sie sind nicht eingeloggt
Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren.

Sicherheitskontrolle: Bitte rechnen Sie die Werte aus und tragen Sie das Ergebnis in das dafür vorgesehene Feld ein. *

0 Kommentare zu diesem Beitrag