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Abenteuer China - Teil 2

Neben einem vielfältigen Angebot an Kursen bietet meine Universität auch eine Auswahl an über 200 Studentenclubs. Dort gibt es alles Denkbare und Undenkbare zu entdecken: Die Tee-Society, den Tauch-Club, die Militär-Liebhaber, die Marxismus- und Leninismus-Gruppe, usw ... Ich selbst bin nun stolzes Mitglied der Mountaineering-Association geworden, mit der ich mehrmals im Monat Camping-Ausflüge auf chinesische Berge im gesamten Land mache. Dreimal die Woche wird ...

13.10.2017
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Erste Eindrücke und Erkenntnisse

Neben einem vielfältigen Angebot an Kursen bietet meine Universität auch eine Auswahl an über 200 Studentenclubs. Dort gibt es alles Denkbare und Undenkbare zu entdecken: Die Tee-Society, den Tauch-Club, die Militär-Liebhaber, die Marxismus- und Leninismus-Gruppe, usw ... Ich selbst bin nun stolzes Mitglied der Mountaineering-Association geworden, mit der ich mehrmals im Monat Camping-Ausflüge auf chinesische Berge im gesamten Land mache. Dreimal die Woche wird trainiert. Wenn ich mich etwas entspannen möchte, schließe ich mich der Thai-Chi-Gruppe im Wald an. (Das war übrigens kein Scherz - Martial Arts und Thai Chi werden im Wald trainiert.)

Wo China die alten Traditionen der vergangenen Dynastien pflegt und belebt, da richtet sich der Blick umso stärker auch nach vorne. Ich trage keinen Schein Bargeld mehr mit mir rum und QR-Codes bestimmen mittlerweile mein Leben. Du willst eine neue Website, eine Firma oder ein Event näher kennenlernen? Scanne den QR-Code. Du willst Kontaktdaten mit einer neuen Bekanntschaft austauschen? Scanne den QR-Code. Du willst das Essen im Restaurant oder die Einkäufe im Supermarkt bezahlen? Scanne den QR-Code. QR-Codes überall. Es ist faszinierend, mit welcher Selbstverständlichkeit junge und alte Menschen in China das Zeitalter der Digitalisierung (zumindest in den Städten) beschritten haben. Bei jedem Online-Einkauf, bei jedem Eingeben meiner Kreditkarteninformationen hat mich in Deutschland die Sorge vor Missbrauch befallen. Doch hier geht man es unkonventionell an. Meine Jura-Professoren an der Tsinghua machen sich diesbezüglich oft über die Europäische Union und insbesondere Deutschland lustig. Wir seien zu besorgt, zu vorsichtig, zu zaghaft. Da sind sich Amerikaner und Chinesen einig.

China ist voller Gegensätze. Zum einen gibt es kaum Regulationen. Überall betreiben Menschen ihr mehr oder weniger angemeldetes Geschäft, die U-Bahnen werden bis zum letzten Millimeter mit Menschen vollgestopft, Eltern fahren ihre Kinder auf E-Bikes ohne Helm durch die Staus der Stadt, einen Anschnallgurt habe ich im Taxi vergeblich gesucht und Fahrräder haben keine Lichter (wie schon in meinem ersten Blog beschrieben). Überall streitet man um den besten Preis; für den Handyvertrag gibt es keinen Vertrag - zumindest keinen schriftlichen. Auch den verhandelt man. Auf der anderen Seite wird an jeder Rolltreppe geschaut, dass man sich festhält, jeder Eingang wird bewacht, überall zeigt man seinen Pass und viele andere Dinge werden begrenzt und reguliert.

In Deutschland fiel es mehr schwer, nach Dingen oder Hilfe zu fragen. Hier ist das eine absolute Notwendigkeit. Man lernt, zu verhandeln, man wird ein Problemlöser, ein Krisenmanager. Ich werde aber auch gelassener, mutiger und abenteuerlustiger. Im berühmten Pekinger Nachtmarkt habe ich zum ersten Mal (und zum letzten Mal) einen Skorpion probiert, ich lerne Rock-Climbing und mache einen Tanzkurs (definitiv die mutigste Entscheidung soweit).

Mein Chinesisch übe ich so oft es geht - mit dem Taxi-Fahrer, der irgendwann anfängt, zu lachen (ich hoffe doch, mit mir und nicht über mich), mit dem Street-Food-Verkäufer oder mit irgendwelchen Leuten, die mich und meine internationalen Freunde nach einem Foto fragen. Jeden von ihnen zwinge ich eine Konversation in meinem schlechten Mandarin auf. Das Gute ist, dass - im Gegensatz zu europäischen Ländern, wo beinahe überall Englisch-Kenntnisse vorhanden sind - niemand mittendrin zu Englisch wechseln kann.

Je mehr Chinesen ich kennenlerne, je mehr Orte ich entdecke, je mehr Zeit ich hier verbringe, desto mehr verliebe ich mich in dieses Land. Jeder, der hier eine Weile verbracht hat, möchte am liebsten bleiben - zumindest für ein paar Jahre. An meine (bestimmt nun ziemlich besorgten) Eltern: Ich werde auf jeden Fall nach Deutschland zurückkehren und zu Ende studieren!!!

Nun muss ich aber aufbrechen - wir essen gleich mit ein paar Chinesen die berühmte Peking-Ente.

Bis bald! Herbstliche Grüße aus „Tsinghua Daxue Beijing“

Eure Maja


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