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Das erste Mal ... kündigen

Yannick Schönwälder, 29, hatte einen hoch bezahlten Job bei einer Großkanzlei. Wir haben ihn gefragt, warum er schon nach zwei Monaten gekündigt hat.

Einen Schlüsselmoment hatte ich auf der Rückfahrt von einem Skiausflug mit meiner Kanzlei. Eckart von Hirschhausen hat im Radio eine Geschichte über einen Pinguin erzählt: An Land watschelt dieses Tier tollpatschig herum und ist völlig hilflos. Sobald es aber ins Wasser springt, kann es die tollsten Bewegungen vollführen – weil es dort in seinem Element ist. Ich fühlte mich in diesem Moment wie der Pinguin an Land.

Ich habe in einer Großkanzlei in München gearbeitet, aber relativ schnell gemerkt, dass die Arbeit dort nicht mein Ding ist – auch mit Blick auf die Zukunft. Dabei war für mein innerlich ungutes Gefühl weniger der Stress oder die viele Arbeit ausschlaggebend. Wenn man in einer Sache voll aufgeht, stört das, wie ich aus anderen Erfahrungen weiß, gar nicht. Es lag daher entscheidend an der Materie. Im Bereich Mergers & Acquisitions gestaltet man Verträge, oftmals auf einem sehr abstrakten Niveau. Alles kreist um den Kauf oder Verkauf großer Unternehmen und alle damit in Zusammenhang stehenden Fragestellungen. Strafrecht zum Beispiel ist da wesentlich konkreter und leichter zugänglich. Man weiß eher, wofür man kämpft. Ich hatte in erster Linie mit Ausschnitten komplexer Unternehmensverkäufe zu tun, wo mitunter auch schwerwiegende unternehmerische Entscheidungen umzusetzen sind, die Auswirkungen auf Arbeitnehmer haben. Da kommt man zuweilen auch in Gewissenskonflikte. Ich spürte: Langfristig würde ich in diesem Bereich nicht arbeiten wollen. Warum sollte ich dann dort noch länger Erfahrungen sammeln?

Das Geld stand bei meiner Entscheidung erst an vierter oder fünfter Stelle. Das lag wohl auch daran, dass ich noch gar keine Zeit gehabt hatte, mich an mein hohes Gehalt zu gewöhnen. Ich hatte mein Leben noch nicht umgestellt, war noch keinerlei Verpflichtungen eingegangen. Ich hatte zum Beispiel noch kein Haus oder kein großes Auto gekauft, das abbezahlt werden muss. Jetzt verdiene ich brutto weniger als ein Drittel meines Kanzleigehalts.

In den Gesprächen mit meiner Freundin und meinen Freunden versuchten diese mich anfangs zum Bleiben zu bewegen, da jeder neue Aufgabenbereich zunächst Anlaufschwierigkeiten mit sich bringt. Aber ich habe nicht aufgehört, darüber zu reden, bin immer wieder mit meinen grundlegenden Zweifeln gekommen. So haben sie nach und nach eingesehen, dass es sich nicht um normale Anlaufschwierigkeiten handelte, und sind umgeschwenkt.

Nachdem ich mich nach langem Abwägen und vielen Gesprächen entschieden hatte, habe ich mich gefragt: Wie mache ich das jetzt? Die haben mich ja schließlich extra geholt – da hatte ich schon Hemmungen, so schnell wieder aufzuhören. Ich bin dann zu meinen Partnern gegangen und habe ihnen gesagt, dass ich  mit ihnen über meine Zukunft sprechen möchte. Die waren sehr überrascht, als ich ihnen eröffnete, dass ich aufhören wolle, und haben mich gefragt, ob ich mir den Job nicht doch lieber noch ein Jahr anschauen möchte. Sie haben mir ein Wochenende zum Nachdenken gegeben und gesagt, ich solle am Montag Bescheid sagen. Viel geschlafen habe ich an diesem Wochenende nicht. Es hat mir schon sehr leid getan, als ich merkte, dass die mich wirklich behalten wollten. Außerdem waren sie sehr gute Chefs. Die Entscheidung, die Kanzlei zu verlassen, fiel mir deshalb umso schwerer. Die Erleichterung stellte sich erst Tage später ein. Da wusste ich dann definitiv, dass es letztendlich die richtige Entscheidung gewesen war.

Zu verstehen, dass ich nicht weitermachen wollte, war das eine. Deswegen hatte ich aber noch keinen festen Plan, was ich stattdessen machen wollte. Darüber hatte ich mir einfach noch keine konkreten Gedanken gemacht, weil es für mich primär darum ging, dass ich mit meiner aktuellen beruflichen Situation unglücklich war und in einer Fortsetzung daher keinen Sinn sah. Beruhigt hat mich allein, dass ich wusste, dass der Staat auch in der momentanen Krise Nachwuchs sucht und ich dort mit meinen Examensnoten ganz gute Chancen habe. Es wurde aber trotzdem relativ knapp mit einem unterbrechungsfreien Übergang, weil ich beispielsweise die notwendigen Vorlaufzeiten für Einstellungen beim Staat unterschätzt hatte. Das entscheidende Vorstellungsgespräch für meinen jetzigen Job fand denn auch erst eine Woche vor Antritt statt.

Seit Mai bin ich nun bei der Bayerischen Finanzverwaltung. Ich schätze die Erfahrung des Perspektivenwechsels, und ich genieße die entspanntere Arbeitsatmosphäre. Was sich außerdem noch verändert hat? Ich muss mir von meinen Freunden jetzt lauter Beamtenwitze anhören.  


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Yannick Schönwälder, 29, hat seinen hoch bezahlten Job bei einer Großkanzlei nach zwei Monaten gekündigt und ist nun bei der Bayerischen Finanzverwaltung.