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Nach dem Spiel ist vor dem Prozess

Im Sport gibt es tausend offene Rechtsfragen, doch an den Jura-Fakultäten spielte der Sport lange eine Nebenrolle. Dabei ist das Sportrecht ein kleiner, aber zukunftsträchtiger Jobmarkt für angehende Juristen.


Dopingfälle, Wettskandale, Streit um TVRechte. Bisweilen scheint es so, als fallen mehr sportliche Entscheidungen im Gerichtssaal als im Stadion. Fakt ist: Im Sport geht es längst nicht mehr nur um Erfolge der Athleten – es geht um Milliarden von Euro. Doch während die Kommerzialisierung des Sports weit fortgeschritten und juristischer Rat immer häufiger gefragt ist, steckt das Sportrecht an deutschen Universitäten noch in den Startlöchern.

Nun zeichnet sich allerdings ein Wandel ab: An der Universität Kiel entstand vor einem Jahr der erste Lehrstuhl für Sportrecht, die Hochschulen in Remagen
und Bayreuth haben inzwischen nachgezogen, zuletzt hat die Uni Köln eine Sportrechts- Professur ausgeschrieben. Für den Sportrechtler Dr. Thomas Summerer war diese Entwicklung nur eine Frage der Zeit: „Ich denke, dass die Chancen für junge Juristen im Sportrecht steigen, auch die Professionalisierung wird weiter voranschreiten. In ein paar Jahren wird wohl kein Sportverband mehr ohne eigenen Sportjuristen auskommen.“

Wo sind die straf- und kartellrechtlichen Grenzen des Sponsorings? Wie steht es um die Zukunft des Sportwettenmarktes? Welche rechtlichen Mittel gibt es bei der Bekämpfung von Doping, Korruption und Geldwäsche? Offene Fragen gibt es im Sportrecht genug, allein es fehlt an zielgerichteten Ausbildungswegen. Dennoch mahnt Summerer: „Die Aussichten im Sportrecht sind nur dann richtig gut, wenn man sich dem Sport mit Herz und Seele verschreibt. Denn auch wenn der Markt jede Menge Konfliktpotenzial bietet, ist er doch überschaubar.“

Angesichts der wenigen Sportrechts-Lehrstühle rät Summerer sportbegeisterten Jurastudenten zu Praktika in Verbänden und Vereinen, um die Szene kennenzulernen, Insiderwissen zu erlangen und Kontakte zu knüpfen. „Am wichtigsten ist es aber, dass ein Student Wissen aus den Kernfächern mitbringt und ein gutes Examen vorweisen kann. Sonst hat man auch im Sportrecht schlechte Karten“, sagt Summerer. Eine solide Grundausbildung sei wichtig, weil es im Sportrecht viele Schnittstellen zu anderen Rechtsgebieten gebe.

Dazu drei Beispiele: Wer über die Zentralvermarktung von Fernsehrechten entscheidet, muss das Kartellrecht kennen. Wer mit Spielertransfers und Dopingfällen zu tun hat, braucht Wissen im Arbeitsund Strafrecht. Darüber hinaus ist eine fachliche Nähe zur Sportwissenschaft hilfreich, vor allem zwischen Sportökonomie und Jura gibt es viele Berührungspunkte. Auch Kenntnisse der Sportmedizin und Chemie sind vorteilhaft, wenn es um Doping geht.

Neben sehr guten Grundkenntnissen in unterschiedlichen Rechtsgebieten kann auch ein geschickt gewähltes Diplomarbeits- oder Dissertationsthema erfolgversprechend sein. Denn: Wer auf dem Gebiet des Sportrechts forscht, der knüpft wichtige Kontakte zu Professoren, zu Einrichtungen und Verbänden. Dadurch erhält man Zugang zum Sportrecht und kann sich früh als Experte profilieren. Das Forschungsgelände des Sportrechts ist jedenfalls groß: Nach wie vor aktuell sind vor allem Fragen der Vermarktung, des Medienrechts und der Sportwetten. Auch das Thema Doping ist – aufgrund ständig neuer Fälle – weiterhin höchst aktuell. Thomas Summerer ist sportbegeistert, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Derzeit vertritt er unter anderem die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Sachen TV-Rechte und den Handballverein SG Flensburg- Handewitt im Verfahren um Spielmanipulationen gegen den Ligakonkurrenten THW Kiel. Jurastudenten, die im Sportrecht eine ähnliche Karriere machen wollen, rät er zu Geduld: „Man kann nicht darauf hoffen, sofort Sportler wie Lance Armstrong oder Michael Ballack als Mandanten zu gewinnen. Deshalb gibt es in Deutschland nur wenige Anwälte, die allein vom Sportrecht leben können.“ Setzt sich die aktuelle Tendenz allerdings fort, könnte sich dies in naher Zukunft ändern: „Es gibt inzwischen schon sieben Klubs in der Fußball-Bundesliga, die eine eigene Rechtsabteilung haben. Vor fünf Jahren gab es noch keinen einzigen“, sagt Summerer. Fest steht jedenfalls: Für reine Sportfunktionäre wie Trainer, Manager, Vereins- und Verbandspräsidenten wird es zunehmend schwerer, mit den eigenen Rechtskenntnissen ihre Interessen zu wahren und durchzusetzen.

Wer es schafft, sich im Sportrecht zu etablieren, hat die Aussicht auf einen äußerst abwechslungsreichen Job. „Das Spannende ist, dass man nicht zum Fachidioten wird, der nur mit Paragrafen und verstaubten Aktenordnern zu tun hat. Man arbeitet auf einem sehr facettenreichen Rechtsgebiet, das vom Arbeits- über das Kartell- bis hin zum Wettbewerbsrecht reicht. Man muss ein Allrounder sein, das hat schon seinen Reiz“, findet Summerer. Ausgebildete Sportrechtler arbeiten meist als Justitiare für Sportorganisationen und Sponsoren, als Richter in der Sportgerichtsbarkeit, als Verwaltungsjuristen in der öffentlichen Sportverwaltung, als Sportmanager oder eben als Rechtsanwälte mit besonderem Fokus auf dem Sportrecht.

Wer sich als Einzelkämpfer versteht, wird es im Sportrecht jedoch schwer haben. Schließlich werden die großen Fälle – abgesehen von wenigen Ausnahmen – auch von großen Kanzleien betreut. Die Gründe hierfür liegen in der enormen Bandbreite des Sportrechts ebenso wie in den gewaltigen Summen, die bisweilen im Sport umgesetzt werden. In der Champions League des Sportrechts spielen vor allem jene Großkanzleien, die Sportrechtevermarkter wie IMG und Sportfive beraten.

Wie überall im Leben gehört neben dem Mut zum Risiko aber auch Glück dazu, um im Sportrecht Fuß zu fassen. Thomas Summerer weiß das nur zu gut: „Ich habe mich nur deshalb auf den Sport spezialisiert, weil er mein größtes Hobby ist. Ob das Sportrecht Zukunft hat, wusste ich anfangs nicht. Heute weiß ich: Es hat Zukunft.“

Hochschulen, die ein Studium des Sportrechts anbieten:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
RheinAhrCampus Remagen der FH Koblenz
Universität Bayreuth

Dr. Thomas Summerer, 50, studierte Jura in seiner Heimatstadt München und an der Universität in Genf. Seine Promotion schrieb er zum Thema „Internationales Sportrecht vor dem staatlichen Richter“. Zwischen 1992 und 2000 war Summerer beim Fernsehsender Sat.1 für das juristische Management der Bundesligasendung „ran“ zuständig, von 2001 bis 2007 arbeitete er als Direktor Recht und Personal für die Deutsche Fußball Liga (DFL). Heute ist er Partner der Sozietät Hasche Sigle in München. Seine Schwerpunkte: Sportrecht, Medienrecht und Gewerblicher Rechtsschutz. Zudem ist Summerer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) und Mitherausgeber des „Praxishandbuch Sportrecht“.


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