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Das erste Mal online kopieren
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Felix Hofmann, 26

Mitgründer von PaperC

Wie es zum ersten Online-Copyshop kam ...
Wo die Idee entstand, weiß ich heute nicht mehr so genau. Es muss irgendwo zwischen Flughafen Zürich und Berlin Tegel gewesen sein.

Für mein Masterstudium war ich damals, vor drei Jahren, von Berlin an die Universität St. Gallen in die Schweiz gewechselt. Weil ich gleichzeitig an meiner Diplomarbeit schrieb, musste ich immer wieder zurück nach Berlin.

Unzählige Fachbücher im Gepäck
In meinem Fluggepäck: unzählige Fachbücher. Und weil das viele Gepäck für mich schon genug Last war, erleichterte mich die Fluggesellschaft jedes Mal freundlicherweise um zehn Euro. Für jedes Kilo Übergepäck, versteht sich.

Zu den Rückenschmerzen, die ich inzwischen vom vielen Schleppen hatte, gesellten sich dann auch noch Kopfschmerzen: beim Gedanken ans Ende der Leihfrist.

Einmal hatte ich so viele schwere Bücher bei mir, dass ich schon kurz nach dem Verlassen meiner Wohnung beschloss, die dicksten Wälzer in meinem Briefkasten zurückzulassen.

Die Lösung
Allmählich wurde mir klar: Man muss doch eine Lösung für das Bücherproblem finden. Martin, ein Kommilitone, kam damals gerade aus China zurück, als ich ihm von der Idee einer Fachbuchplattform im Internet erzählte.

Kurz darauf begann er seine Diplomarbeit in Dänemark, und ich studierte weiter in der Schweiz. Aber fast jeden Abend diskutierten wir über Skype die Idee und suchten nach der besten Lösung – für ein Problem, das uns schon seit Beginn des Studiums begleitete.

Nie mehr Schlange stehen am Kopierer
Seit dem ersten Tag, an dem wir planlos zwischen staubigen Bücherregalen herumirrten. Seit dem ersten Tag, an dem wir eine Ewigkeit am Uni-Kopierer Schlange standen, um lächerliche fünf Seiten eines Buches zu kopieren. Lächerliche fünf Seiten eines Buches, das ohnehin meist vergriffen war, bevor man es überhaupt zum Kopierer geschafft hatte.

Unzählige Male stand ich vor einer Lücke im Bücherregal, lief suchend zwischen 400 Schreibtischen umher und dachte: Das darf einfach nicht wahr sein!

Bibliothek und Kopierautomat zugleich
Unsere Idee reifte: Wir wollten Bibliothek und Kopierautomaten immer und überall verfügbar machen. Wir wollten die erste Internet-Plattform schaffen, auf der man Fachbücher komplett und kostenlos lesen kann, auf der man einzelne Seiten eines Buchs gegen eine kleine Gebühr kopieren, speichern und bearbeiten kann.

Wir hatten plötzlich eine Vision: Nie wieder vergriffene Bücher, nie wieder Schlangestehen am Kopiergerät und nie wieder Übergepäck.

Dann ging alles ganz schnell: Erst ernannte die Universität St. Gallen unsere Idee des Online-Copyshops „PaperC“ zum Forschungsprojekt, dann erhielten wir das Exist-Gründerstipendium, das uns mit 80 000 Euro förderte.

Lukas, den dritten Gründer, lernten wir per Zufall in einem Café in Berlin-Friedrichshain kennen. Anstatt die Gäste zu bedienen, wofür er bezahlt wurde, saß er an einem Tisch und programmierte vor sich hin.

In Rekordzeit entwickelte er uns den Prototyp. Die Testphase mit 1.500 ausgewählten Studenten lief gut, erste Investoren zeigten Interesse.

Überzeugungsarbeit
Kurzum: Alles lief perfekt, Martin und ich konnten unser Glück kaum fassen. Doch ahnten wir damals nicht, dass uns der schwierigste Schritt noch bevorstehen sollte: Wir mussten die Verlage überzeugen, ihre Buchinhalte online verfügbar zu machen.

Ein ums andere Mal klingelte Martin also bei den Verlagen durch, ein ums andere Mal wurde er abgewimmelt. Es war frustrierend, doch irgendwie logisch: Für einen Verlag muss die Vorstellung komisch klingen, Bücher kostenlos ins Netz zu stellen, die er im Laden teuer verkaufen kann.

Beispiel Musikindustrie
Dabei zeigt das Beispiel der Musikindustrie, dass es besser ist, mit der Entwicklung des Internets zu gehen. Dass es besser ist, neue Marketing-Ideen zu entwickeln, statt an Altbewährtem festzuhalten, bis es zu spät ist.

Man muss einem Studenten heute die Wahl lassen, ob er sich ein Buch nur im Netz ansehen oder ob er es kaufen möchte. So wie man jedem Internetnutzer die Wahl lässt, ob er ein Lied bei YouTube nur anhört oder ob er es bei iTunes für 99 Cent herunterlädt.

All das mussten wir den Verlagen erst klarmachen. Wir ließen nicht locker, telefonierten weiter. Mit Erfolg: Die ersten Verlage luden uns zum Gespräch.

Meist hatte man für unsere Präsentation eine halbe Stunde veranschlagt, am Ende saßen Martin und ich oft nach zwei Stunden noch in den Verlagshäusern – und blickten in faszinierte Gesichter.

Inzwischen sind einige Verträge unterschrieben, ist gar der erste internationale Verlag mit seinem kompletten Programm auf der Seite zu finden.

Das zitierfähige Wiki der Zukunft
Wie gesagt: Wo die Idee entstand, weiß ich heute nicht mehr so genau. Wo uns die Idee eines Tages hinführen soll, weiß ich sehr wohl: PaperC soll irgendwann das zitierfähige Wikipedia werden.

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