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| Das erste Mal … sich selbstständig machen |
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Co-Working gilt als Arbeitsmodell der Zukunft. Die Juristerei ist diesem Trend voraus, schon lange arbeiten Anwälte in Bürogemeinschaften. Unabhängig und doch im Team. Aber nur fünf Prozent aller Jura-Absolventen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine davon ist Irini Mavreli. Sie hat sich getraut, einiges riskiert und viel gewonnen.
Es war ein Morgen im April. Ich saß am Schreibtisch. An meinem Schreibtisch. In meinem eigenen Büro. Endlich. Ich hatte die Möbel aufgebaut, das Telefon angeschlossen, mein Businessplan stand. Und als die Visitenkarten kamen, war ich richtig stolz. Es war geschafft: Ich war angekommen in der Selbstständigkeit, in einer Bürogemeinschaft mit drei jungen Anwälten. Es konnte losgehen. Glaubte ich jedenfalls. Doch mein Weg in die Unabhängigkeit wurde schwieriger, als ich an jenem Tag im April dachte. Heute weiß ich: Es hat sich gelohnt.
Die Idee, mich selbstständig zu machen, kam mir vor sechs Jahren. Nach dem zweiten Staatsexamen hatte ich ein Jahr lang als Volljuristin für eine Kölner Consultingfirma gearbeitet. Meine Aufgaben: Vertragsgestaltung und Allgemeine Geschäftsbedingungen. Ich habe mich nicht unwohl gefühlt, viel gelernt. Doch es war ein einseitiger Job. Mit vielen unbezahlten Überstunden. Der Chef gab den Takt vor, selten habe ich das Büro vor acht Uhr abends verlassen. Hätte ich mir die Arbeit selbst eingeteilt, ich wäre schneller, effizienter und glücklicher gewesen. Irgendwann endete mein befristeter Vertrag. Und plötzlich stand ich vor der Wahl. Entweder: weiterhin Druck vom Chef, Arbeit nach Vorgabe, strenge Bürozeiten. Oder: meine Ziele entwickeln, meine Ideen umsetzen, meine Zeit selbst einteilen. Ich entschied mich für die Unabhängigkeit. Einfach so. Es war eine Bauchentscheidung. Ein befreiendes Gefühl.
Ganz ehrlich: Über die Folgen habe ich mir kaum Gedanken gemacht. Natürlich muss der Schritt in die Selbstständigkeit gut geplant sein, das war mir bewusst. Aber hätte ich mir damals zu viele Gedanken gemacht, vielleicht hätte ich das Risiko am Ende gescheut. Meine Familie war da nachdenklicher als ich: Wird Irini das allein schaffen? Kann sie das finanziell stemmen? Noch dazu in einer fremden Stadt? Ich bin damals von Bochum nach Bielefeld gezogen, weil ich dort eine Bürogemeinschaft gefunden hatte – mit jungen Leuten, die ich sehr nett fand. Ich konnte mir sofort vorstellen, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dass die Chemie stimmt, gehört zu den wichtigsten Dingen in einer Bürogemeinschaft. Denn jeder betreibt zwar seine eigene Kanzlei, aber man arbeitet unter einem gemeinsamen Dach. Da muss man sich vorher viele Fragen stellen: Geht man in die gleiche Richtung? Hat man die gleichen Ziele? Wie eng will man zusammenarbeiten?
Aber eine Bürogemeinschaft bietet eben viele Vorteile. Man kann sich die Verwaltungsarbeit teilen – und natürlich die Kosten: Miete, Telefon, Briefporto, Drucker, Internet, Versicherungen oder die Personalkosten für eine gemeinsame Rechtsanwaltsfachangestellte. Manche fragen mich: Birgt es nicht Konfliktpotenzial, wenn es ums Geld geht? In unserer Gemeinschaft mussten wir da nie diskutieren. Nicht am Anfang, als wir hier zu viert waren, und auch jetzt nicht, wo ich nur noch mit meiner Kollegin Viola zusammenarbeite. Die finanzielle Verantwortung, die jeder Einzelne trägt, ist ja schon groß genug: Ich musste einen Kredit aufnehmen, um mich selbstständig machen zu können. Das ist eine große Verpflichtung.
Ich habe vom ersten Tag an damit begonnen, Mandanten zu werben. Ich bin Griechin, entsprechend habe ich meine Zielgruppe definiert. Ich habe griechische Vereine besucht, griechische Kirchen, griechische Tanzveranstaltungen. Es war spannend, neue Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Aber es dauert, bis die Kontakte fruchten. Nicht jeder hat ja sofort ein Rechtsproblem. Die ersten Monate hatte ich daher keine Mandanten – und damit kein Einkommen. Ein Existenzgründerdarlehen der KfW-Bank hat mir geholfen, meine Lebenshaltungskosten zu decken, auch das Arbeitsamt hat mich unterstützt. Bürogemeinschaft und Selbstständigkeit – das ist vor allem eine Typfrage. Man muss offen sein, auf Menschen zugehen können. Man muss gewissenhaft und belastbar sein. Und man braucht einen langen Atem. Aber ich wusste: Ich bin ein Typ, der das hinkriegt. Ich bin ein aufgeschlossener Mensch, bringe eine Portion Leidensfähigkeit mit. Das war schon im Studium so: Ich kann durcharbeiten bis nachts um drei, aufs Ausgehen verzichten und mal drei Jahre ohne Urlaub leben. Selbstständigkeit in einer Bürogemeinschaft ist eine Herausforderung mit Hindernissen. Aber das ist es mir wert. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Ein typischer Widder, der sich ungern etwas vorschreiben lässt. Im Gegensatz zu meiner Angestelltenzeit sehe ich den Erfolg jetzt direkt, erlebe unmittelbar den Dank der Mandanten. Es hat sich gelohnt.
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