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Außeruniversitäres Engagement neben dem Jurastudium
- wie und vor allem: Wieso?

Wer eine Karriere in einer Großkanzlei, einer Unternehmensberatung, oder als Inhouse-Jurist eines großen Unternehmens anstrebt, dem sind die Anforderungen an das Bewerberprofil spätestens nach dem Überfliegen der dritten Stellenanzeige bekannt:
Neben zwei mindestens vollbefriedigenden Examina, zahlreichen Praktika und exzellenten Sprachkenntnissen - natürlich gerne im Ausland erworben - verlangt der ein oder andere potentielle Arbeitgeber sogar noch etwas, das sich „außeruniversitäres Engagement“ schimpft. Aber was ist das eigentlich? Und was bringt es?

Schon die Beantwortung der ersten Frage bedarf einiger klärender Gedanken. Gewiss lässt sich bereits festhalten, dass außeruniversitäres Engagement in vielerlei Hinsicht stattfinden kann. In erster Linie fällt einem dazu vielleicht die Jugendtrainertätigkeit in einem Sportverein ein. Oder der Job als Betreuer in einer Ferienfreizeit oder Kirchengemeinde.  Also gemeinhin ehrenamtliche Tätigkeiten.  Und soweit man den Statistiken der Enquête-Kommission des Bundestages Glauben schenken darf, geht bereits jeder dritte Deutsche einer solchen Tätigkeit nach. Gute Aussichten sollte man meinen.

Ein jeder Student der Rechtswissenschaften wird aber bestätigen, dass es mit zunehmendem Studienfortschritt schwerer wird, einer solchen Tätigkeit nachzugehen. Mag es im Rahmen des Grundstudiums durchaus noch möglich sein, „nebenbei“ im Verein den Fußballnachwuchs zu betreuen, so bleibt ab Beginn des Hauptstudiums kaum noch Zeit, allein den Pflichtfachstoff auch nur einigermaßen vor- und nachzubereiten. Vom Stress durch Übungen, Seminare und das Repetitorium ganz abgesehen. Viele Streichen zu diesem Zeitpunkt die ehrenamtlichen Segel und legen eine Vereinstätigkeit oder dergleichen vorerst aufs Eis.

Aber auch in dieser stressigen Phase des Studiums besteht noch die Möglichkeit sich außeruniversitär zu engagieren. Wobei der Begriff „außeruniversitär“ korrigierend ausgelegt werden muss.

Denn man muss sich die Frage stellen, warum viele Arbeitgeber ein solches Engagement verlangen? Und die Antwort ist einfach: Wer sich engagiert zeigt Interesse. Man zeigt Interesse an sich und seiner Umwelt. Man lernt im Team zu arbeiten, übernimmt Verantwortung und wird sicherer im Umgang mit anderen Menschen. Idealerweise steigert man seine rhetorischen Fähigkeiten und bekommt eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Zusammenfassend lassen sich diese Kenntnisse und Eigenschaften auch als „Soft Skills“ bezeichnen, was zu dem Schluss führt:

Außeruniversitäres Engagement = geballte Soft Skills!

Und genau das ist es, was den Arbeitgeber interessiert. Weshalb es letztlich auch keine Rolle spielt, ob das außeruniversitäre Engagement auch tatsächlich außerhalb der Universität stattfindet. Im Gegenteil gibt es gerade an den Universitäten zahlreiche Möglichkeiten sich zu engagieren und damit von der Masse abzuheben. Sei es eine Tätigkeit bei der Fachschaft, bei ELSA oder als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft an einer Professur. Es wartet eine Vielzahl an Aufgaben auf den interessierten Studenten und in den meisten Fällen wird neben den oben genannten Soft Skills sogar eine menge Fachwissen erworben.

Wer sich außeruniversitär engagiert erhöht also nicht nur seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern reift auch als Mensch heran. Aber eine solche Differenzierung zwischen Beruf und Freizeit ist nicht mal zwingend nötig: Denn wem es gelingt eine Horde fußballbegeisterter Kinder in den Griff zu bekommen, wird es später auch schaffen, sein Team im Rahmen eines schwieriges Projekt zu managen. Wer bereits jetzt für die Finanzen der Fachschaft verantwortlich ist, wird später wahrscheinlich ein ebenso großes Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Und die wenige Zeit, die man im Rahmen seines Engagements investiert fehlt einem zwar in der Tat zum lernen, wird aber in der Regel durch die oben genannten Vorteile mehr als kompensiert. Nicht zu vergessen ist auch ein letzter entscheidender Punkt: Abgesehen von allen oben genannten Vorzügen macht eine solche Arbeit in der Regel auch riesigen Spaß, lässt einen viele nette Leute kennenlernen und ist ein willkommener Ausgleich zum harten Lernalltag. Was hält Euch noch auf?

Fabian Neumann
stud.iur. 5. Fachsemester
Universität Gießen


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