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Papierfreies Lernen?
Neue Medien im Jurastudium

Jurastudenten gehen oft in gebeugter Haltung, die Last der Gesetzestexte und Lehrbücher, die sie in ihren Taschen tragen, wiegt schwer. In der Bibliothek kann man sie hinter den Bücherstapeln auf ihren Tischen kaum ausmachen. Solche Bilder könnten aber schon bald der Vergangenheit angehören.

Die Presse prophezeit dem gedruckten Buch schon seit Längerem den Tod. Nun soll gleich eine gesamte Universität papierfrei werden: An der Stanford University in den USA plant man Medienberichten zufolge, die dortige Campusbibliothek abzureißen, ihren Bestand außerhalb auf günstigem Land unterzubringen und die Inhalte in digitalisierter Form zugänglich zu machen.

An deutschen Universitäten ist eine derartige Entwicklung – zumindest in absehbarer Zeit – kaum vorstellbar. Seit Generationen lernen Juristen mit bewährten Printmedien: Büchern, Zeitschriften, Urteilssammlungen etc. Auch in diesem Bereich gab und gibt es von Zeit zu Zeit neue Erscheinungsformen wie Skripte, Schemata oder Karteikarten. Seit einigen Jahren jedoch drängen auch völlig neuartige Medien auf den umkämpften Markt der Lehr- und Lernmittel. Teilweise sollen sie althergebrachte Formen ersetzen, teilweise beschreiten ihre Entwickler neue Wege der Wissensvermittlung.

Datenbanken gehören schon seit Jahren zu den etablierten elektronischen Medien im Bereich Recht. Sie „bieten unabweisbare Vorteile für den Nutzer hinsichtlich einer schnellen und effektiven Suche“, sagt Herr Kesper, Leiter des juristischen Seminars der Universität Bonn. Den meisten Studenten dürfte sich spätestens bei der Anfertigung ihrer ersten Hausarbeit diese Benutzerfreundlichkeit offenbaren. „Darüber hinaus ermöglicht die elektronische Form eine zeitnahe Aktualisierung der Inhalte, vor allem ständige Aufnahme und Wiedergabe von aktuellen Leitsätzen beziehungsweise Urteilen, ohne dass der Druck eines neuen Bandes oder einer neuen Auflage abgewartet werden müsste“, stellt Frau Strauss von der Fach- und Universitätsbuchhandlung Witsch & Behrendt in Bonn heraus.

Auch bei Normdatenbanken - Gesetzen und Verordnungen - erklärt sich der Erfolg auf dem Markt fast von selbst. Alle in Betracht kommenden Texte in gedruckter Form vorrätig zu haben ist schon aufgrund von deren zunehmender Fülle und laufender Veränderung nahezu unmöglich. Anders sieht es da bei Kommentaren und Monografien aus. Zwar gibt es auch in diesem Bereich erste elektronische Produkte, beispielsweise auf USB-Sticks. „Diese werden bislang jedoch kaum nachgefragt“, so Frau Strauss.

Auch das Arbeiten mit CDs ist nicht jedermanns Sache. Obwohl das Geschäft mit Hörbüchern seit Jahren boomt, muss sich im Bereich Jura erst zeigen, ob sie sich langfristig als Lernmedium etablieren können. „Nicht alles, was chic und modern ist, wird von den Studenten gekauft“, sagt Herr Niederle von Niederle Media, einem Unternehmen, das Audio- CDs für Juristen anbietet. Er betrachtet das Engagement bei Hörbüchern als „Investition in die Zukunft“.

Aber bedeutet das schon das Ende der „Gutenberg-Galaxis“? Auch wenn genannte Medien sich vom klassischen Printverfahren entfernt haben, halten sie letztlich doch am Text als Informationsträger fest. Sie nutzen keine der Möglichkeiten, die uns die neuen Medien bieten, weder sind sie multimedial noch interaktiv.

So stellen die Autoren Röhl und Ulbrich in ihrem Buch „Recht anschaulich“ beispielsweise fest: „Recht ist ein noch beinahe bildfreier Raum. Im Zuge des kulturellen Wandels ist die Fixierung des Rechts auf das gesprochene und vor allem auf das geschriebene Wort regelrecht zu einer Zugangsbarriere geworden (…), gerade auch für Studierende. In der Visualisierung des Lehrstoffes liegt ein Weg, diese Barriere abzubauen.“ Aber nicht nur der Versuch, Recht grafisch darzustellen, bietet neue Wege der Wissensvermittlung. Vor allem die für Jurastudenten im Lernprozess oftmals fehlende Rückmeldung können neue Medien möglich machen.

Eine durchaus wegweisende Verknüpfung des klassischen Printprodukts mit einem E-Learning-Angebot hat seit Kurzem der C.F. Müller Verlag im Sortiment. Mit der neu konzipierten Skriptenreihe „JURIQ Erfolgstraining“ bietet man zum einen ein gelungenes Printprodukt. Zum anderen kann der Student durch den dazugehörigen Online-Wissens-Check den Stoff wiederholen und vertiefen – er bekommt eine zeitnahe Rückmeldung über seinen Lernfortschritt. Dieses Konzept könnte sich als eine Möglichkeit der Nutzung elektronischer Medien in der juristischen Ausbildung etablieren.

Ein Studium der Rechtswissenschaften ganz ohne Bücher wird es wohl auch in den nächsten Jahren nicht geben.

Thorsten Lohr, Universität Bonn


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