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Wie sicher ist das Jurastudium?
Eine Antwort zwischen Dauerkrise und Hoffnungsschimmer.

Ist das Jurastudium krisensicher? Bis jetzt habe ich davon noch nicht viel gemerkt. Ich halte das Gerücht von der Krisenfestigkeit des Studiums sogar für eine glatte Lüge. Ich hatte in meiner juristischen Laufbahn schon so einige Krisen, die erste gleich nach ein paar Tagen an der Uni: Gutachtenstil? Naja, ist doch einfach, man muss halt durch die Tür (§ 108 BGB) kommen und darf nicht durchs Fenster (§ 107 BGB) einsteigen. Im Laufe des Studiums dämmerte mir dann irgendwann, was unser Tutoriumsleiter damit gemeint haben könnte ...

Wie auch immer, Krisen gibt es auch noch jetzt, im achten Semester: Erst vor ein paar Tagen wieder. Da steht man am Samstag um 7 Uhr auf, um am Uni- Klausurenkurs teilzunehmen, und dann erwartet den Klausurinteressierten eine reine ZPO-Klausur. Um beim Bild zu bleiben: ZPO ist für mich derzeit noch ein Haus ohne Türen. Und dafür den Freitagabend verschenkt ...

Während sich die Häufigkeit der studentischen Krisen locker mit anderen Studiengängen messen kann, scheinen die Berufschancen für Juristen allerdings tatsächlich konstant zu sein. Gesetze wird es immer geben und infolgedessen auch Menschen, die sich mit ihnen auskennen. Keine platzende Webblase, keine Billigkonkurrenz aus Fernost. Sogar die aktuelle Wirtschaftskrise hinterlässt wohl keine tiefen Spuren. Es gibt eine Menge juristische Berufe, und es gibt auch eine Menge Arbeitsplätze. Zugegeben: Es gibt auch eine Menge Juristen.

Im Gegensatz zu Absolventen anderer Studiengänge sind Juristen nach ihrem Studium in erster Linie Generalisten. Trotz aller Spezialisierung haben sie durch ihr Studium zuerst einmal das Know-how gewonnen, Lebenssachverhalte zu analysieren und unter Rechtsnormen zu subsumieren. Da aber kein gesellschaftlicher Bereich frei von Recht im weiteren Sinne ist, sind überall diejenigen gefragt, die wissen, welche Normen zu beachten und wie diese anzuwenden sind. Aus der Omnipräsenz des Rechts heraus resultiert also eine beständige Nachfrage nach Juristen.

Darüber hinaus haben Juristen mit dem Abschluss ihrer Ausbildung bewiesen, dass sie in der Lage sind, abstrakt und analytisch zu denken. Diese Fähigkeit ist vielerorts gefragt, sodass sich Juristen nicht nur in den klassischen Berufen oder in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch auf allen Ebenen und Positionen in der Privatwirtschaft finden. Auch Posten in der Politik oder bei den Organen der Europäischen Union stehen dem Juristen offen. Eigene Initiative und ein bisschen Kreativität sind allerdings gefragt – wenn davon nach dem Studium noch etwas übrig geblieben ist; ich würde nicht behaupten, dass ein Jurastudium die Kreativität fördert. Insofern ist jeder zu ermuntern, seine im Studium erworbenen vielfältigen Fähigkeiten auch abseits der klassischen Berufsfelder einzusetzen.

Kenner des Marktes behaupten außerdem, dass die Wirtschaftskrise der Rechtsberatungsbranche nicht merklich zusetzen wird, obwohl diese eigentlich von der Wirtschaft abhängig ist. Denn Rechtskundige werden weitgehend unabhängig von der Tageskonjunktur gebraucht. In guten Zeiten sind natürlich andere Spezialisierungen gefragt als in schlechten. Dennoch steht fest, dass man, wenn es ums Geld geht – und das geht es bekanntlich immer – gern auf Nummer sicher geht und sich auch mal streitet. Und Juristen können prima streiten. Aber ist der juristische Beruf wirklich krisensicher? Man sollte sich nicht von den vielen Anzeigen der Großkanzleien blenden lassen. Denn konstant ist seit langer Zeit vor allen Dingen auch eine Dualität: Neben der hohen Nachfrage nach Prädikatsjuristen gibt es viele Juristen ohne vollbefriedigende Examina, die weit weniger gefragt sind. In dieser Gruppe sind viele arbeitslos. Darüber hinaus steigt die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte ständig, viele von ihnen warten in Ein-Mann-Kanzleien auf Aufträge und halten sich mehr schlecht als recht über Wasser. Die Sättigung des Marktes an Juristen gipfelt dann in dem angsteinflößenden Begriff der „Juristenschwemme“. Das war aber schon immer so, man könnte beinahe von einer Dauerkrise sprechen. Da tröstet es kaum, wenn die Auswirkungen der Wirtschaftskrise lediglich gering sind.

Hoffnung macht aber die Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Sie stellt in den letzten Jahren einen Anstieg der Beschäftigung unter Juristen fest. Darüber hinaus werden auch im öffentlichen Dienst Juristen in einigen Jahren infolge von Pensionierungen Mangelware sein.Trotzdem besteht weiterhin die Gefahr, dass man mit zweimal vier Punkten eher einen elfenbeinfarbenen als einen schwarzen Mercedes fährt. Aber davor wurde ich schon im ersten Semester gewarnt, die Gefahr ist demnach in keiner Weise krisenbedingt. Von diesem Standpunkt betrachtet, ist der juristische Beruf also tatsächlich relativ krisensicher.

J. S., Universität Göttingen


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