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Die Krisen der Menschen sind unser täglich Brot
Wer Jura studiert, hat Grund zur Freude.

Der juristische Beruf ist krisensicher, weil er sich – man kann es nicht anders sagen – eben gerade mit den Krisen der Menschen beschäftigt. Dazu gehören neben der Finanzkrise die Ehekrise und die Nervenkrise. Die Krise ist, mit anderen Worten, des Juristen täglich Brot. So gesehen, ist der juristische Beruf vor den herbeibeschworenen Unwägbarkeiten nicht nur gefeit; es ist sogar damit zu rechnen, dass er eine Hochkonjunktur erleben wird. Dies sollte angehende Juristen fröhlich stimmen, denn so werden sie später mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre Brötchen verdienen.

Beginnen wir mit der Finanzkrise: Vor wenigen Monaten hat der 64 Jahre alte pensionierte Lehrer Bernd K. – seit 40 Jahren treuer Kunde bei der Hamburger Sparkasse – am Landgericht Hamburg ebendiese um 10 000 Euro erleichtert. Er verdankt dies seinem Anwalt, der überzeugend argumentierte, dass die Hamburger Sparkasse ihren Mandanten falsch beraten habe. Sie hatte ihm die Zertifikate verkauft, ohne auf eigene Gewinninteressen hinzuweisen. Die Papiere waren im Zuge der Immobilienkrise und des Zusammenbruchs der amerikanischen Bank Lehman Brothers im September des vergangenen Jahres praktisch wertlos geworden.

Der Anwalt freut sich mit seinem Mandanten. Doch auch auf der anderen Seite sitzen Rechtskundige, die ihrem Beruf nachgehen und denen dieser aus der Finanzkrise geborene Streit Arbeit beschert hat. Und weiter bescheren wird – sie haben angekündigt, in Berufung zu gehen. Schließlich sind da noch die Richter, die das Urteil gefällt haben. Und wer weiß schon, ob nicht in absehbarer Zeit sogar noch Bundesrichter an diesem Fall zu schaffen haben. Deutschlandweit laufen jetzt schon zahlreiche Klagen anderer enttäuschter Anleger gegen ihre Banken – Klagewelle nicht ausgeschlossen. Hier sind viele Juristen involviert, es gibt viel zu tun.

Andere werden entlassen, Juristen hingegen eingestellt. Und dies nicht nur von entlassungswütiger Arbeitgeberseite, sondern auch von den Gewerkschaften, die versuchen werden, jeden Arbeitsplatz zu erhalten. Zu den Verlierern gehören die Juristen jedenfalls nicht.

Oder wie wäre es mit dem Karriereziel Insolvenzverwalter? Uns allen klingen noch die Namen der großen Kaufhäuser, Automobilhersteller und des Modelleisenbahnbauers in den Ohren, mit denen es in den vergangenen Monaten förmlich den Bach hinunterging. Die Unternehmenspleiten haben in letzter Zeit enorm zugenommen, jedenfalls sind sie deutlicher in die Öffentlichkeit gerückt.

Und wenn gar nichts hilft: Wusstest Du, dass die Scheidungsraten steigen? Unter Umständen findet sich hier noch ein Plätzchen für jemanden, der wenigstens im Rechtssinne ein geordnetes Miteinander wiederherstellt. Ich selbst habe mir allerdings vorgenommen, kein Scheidungsanwalt zu werden, und mich in den wirtschaftsrechtlichen Wahlfachbereich eingeschrieben. An der Universität des Saarlandes erhält man einen guten Einblick in gesellschafts- und handelsrechtliche, aber auch in wettbewerbsrechtliche Fragestellungen.

Philipp Hujo, Universität des Saarlandes


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