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Das Haar in der Suppe:
Zusatzausbildung Journalismus und Recht

Wenn Juristen in den Journalismus wollen, dann liegen darin Chance und Risiko zugleich. Eine Chance besteht insofern, als dass viele Redaktionen es zu schätzen wissen, wenn jemand Sachverstand für komplexe juristische Themen besitzt.

Das Risiko ist, dass Juristen dazu neigen, abstrakt und verschachtelt zu schreiben. Optimal wäre also: Wie ein Jurist denken, aber nicht wie ein Jurist schreiben. Diese Botschaft hat Joachim Jahn, Redakteur der FAZ, den Teilnehmern der Zusatzausbildung „Journalismus und Recht“ der Universität Münster mit auf den Weg gegeben.

Das Einmaleins des Schreibens
Er war in diesem Jahr einer der zahlreichen Referenten aus der Praxis, die den Studenten aus ihrem Alltag in den Medien berichteten und Wege in den Journalismus aufzeichneten. Während des fünftägigen Seminars, welches einmal im Jahr stattfindet, werden die Teilnehmer in das Einmaleins des Schreibens eingeführt.

Hierbei gilt: Das Wichtigste zuerst, keine Schachtelsätze, Aktiv statt Passiv, so konkret wie möglich. „Gerade Juristen fällt es schwer, Überflüssiges weg zu lassen“, so Jahn.

Während des Seminars wurde deutlich, welche Eigenschaften ein angehender Journalist unbedingt mitbringen sollte. Dazu gehört Neugier ebenso wie Zuhören können, gesunder Zweifel, Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Um es mit den Worten des Schriftstellers Rolf Schneider zu sagen: „Ein Journalist ist ein Mensch, den das Haar in der Suppe mehr interessiert als die Suppe.“

Das Handwerk zählt
Talent soll nur etwa 10-15% des späteren Erfolges ausmachen; viel wichtiger ist nach Ansicht vieler Praktiker das Handwerk. So machte eine freie Journalistin aus Hamburg die Teilnehmer auch gleich mit dem „Rüstzeug“ eines Journalisten – den einzelnen Textgattungen – vertraut: '

Von der „Mutter aller Texte“, der Nachricht, über die Reportage („Kino im Kopf“) bis hin zum Kommentar. Die Referentin scheute sich allerdings nicht, einen sehr kritischen Blick auf den „Traumberuf“ Journalismus zu werfen.

So stellte sie fest, dass immer mehr dem Mainstream gefolgt werde und die Freiheiten des einzelnen Journalisten sehr begrenzt seien. „Die Verlage stellen häufig betriebswirtschaftliche Erwägungen in den Vordergrund“, klagte sie. Wer Journalist werden wolle, begebe sich finanziell auf unsicheres Terrain, da heutzutage kaum noch Festanstellungen vergeben würden.

Praktische Übungen
Auch praktische Übungen kamen im Laufe des Seminars nicht zu kurz. In einem Rhetorik-Training mussten die Studenten spontan zu Themen wie „Journalistische Ethik“ und „Fachsprache und natürliche Sprache“ referieren.

Auch eine Pressekonferenz wurde simuliert. Die Studenten bekamen außerdem die Möglichkeit, selbst einmal eine Gerichtsreportage zu verfassen. Die Verfahren vor dem AG und LG Münster, die die Teilnehmer vormittags besuchten und über welche sie anschließend berichteten, boten auch in diesem Jahr ausreichend Erzählstoff.

Neben Betrug und Verstößen gegen das BtMG wurde auch ein versuchter Mord verhandelt. Bei der Besprechung der einzelnen Texte zeigte sich die erfahrene Redakteurin einer regionalen Zeitung positiv überrascht von der Qualität der Reportagen.

Das zweite Stzandbein
Viele Teilnehmer hatten ihre Ratschläge befolgt und mithilfe stilistischer Mittel aussagekräftige Bilder geschaffen, welche die Atmosphäre aus dem Gerichtssaal zum Leser transportieren. Wichtig ist es, darin waren sich wohl alle Referenten einig, sich immer ein zweites Standbein neben dem Journalismus zu schaffen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb auch noch das zweites Staatsexamen ablegen, bevor er sich in die Medien stürzt. Sinnvoll kann es auch sein, sich zunächst für einen juristischen Beruf zu entscheiden, und abzuwarten, ob sich irgendwo ein Fenster auftut und man seine journalistischen Fähigkeiten und Interessen einbringen kann, z.B. als Pressesprecher.

Eine Chance stellt der Journalismus in jedem Fall für Studenten dar, die ein eher mittelmäßiges Examen abgelegt haben. Eine gute Note ist aus Sicht vieler Redaktionen eher zweitrangig. Wichtiger sei es, Praxiserfahrung als Journalist gesammelt zu haben.

Nähere Informationen zur Zusatzausbildung finden Interessierte unter http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren. Die Teilnahme steht Studenten, Referendaren und jungen Juristen aus ganz Deutschland offen. Ein wenig Glück gehört allerdings dazu: 50 – 100 Bewerbungen gehen in jedem Jahr für die 15 Plätze ein.

Julia Hagenkötter, Universität Münster


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