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Die Hochschule von morgen: Der Uni-Rektor auf Betteltour? |
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Unter einer Stiftungsuniversität konnte sich niemand unter den Studenten in Frankfurt (Oder) so recht etwas vorstellen, als am 1. März 2008 feierlich verkündet wurde, die Europa-Universität Viadrina sei nun eine Stiftung. Die allgemeine Unwissenheit war groß. Kaum einer wusste, ob und wenn ja, welche Veränderungen auf die Studenten zukommen würden. Seitdem bemüht sich die Präsidentin Prof. Dr. Gesine Schwan um Aufklärungsarbeit. Sechs Jahre lang hatte sie sich für den Status der Stiftungsuniversität stark gemacht, getrieben durch die Sorge um die finanzielle Zukunft der Hochschule. Aber wie sinnvoll ist die Entscheidung für eine Stiftung wirklich? Liegt die Finanzierung von wissenschaftlicher Lehre und Forschung nicht in erster Linie im Aufgabenbereich des Staates? Werden Uni-Rektoren jetzt zu Bittstellern? Und warum sollten Unternehmen oder gar Privatleute ein Interesse daran haben, ihr Geld einer Hochschule zu spenden?
Die Viadrina ist nur das aktuelle Beispiel für eine ganze Reihe von Universitäten in Deutschland, die die Umwandlung in eine Stiftung vollzogen haben. Im Jahr 2003 sind bereits einige Hochschulen, welche zuvor vom Land Niedersachsen getragen wurden, zu einer Stiftung geworden, darunter etwa die Universitäten Göttingen, Lüneburg und Hildesheim sowie die Fachhochschule Osnabrück. Mit einem neuen Hochschulgesetz hatte das Land Niedersachsen 2002 die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Hochschulen in die Trägerschaft von Stiftungen des öffentlichen Rechts überführt werden können. Seit 2008 ist auch die Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main eine Stiftung. Geplant ist außerdem die Umwandlung der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Gesine Schwan sieht in der Stiftung nur Vorteile: Man gewinne vor allem Autonomie in strukturellen und finanziellen Entscheidungen. Die Uni könne nicht benötigtes Geld verzinslich anlegen, sie könne ihre Gebäude vermieten, sie dürfe Professoren selbst ernennen, die bisherigen Entscheidungswege würden verkürzt. All dies mache die Uni für private Spender attraktiv, so Schwan. Sie hofft, dass auch Steuervorteile zum Spenden motivieren. Die Uni wird weiterhin ihre Zuwendungen vom Land beziehen - jährlich sind dies 19 Millionen Euro. Daneben erhält die Uni Geld aus einer deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung, welche über ein Kapital von derzeit 50 Millionen Euro verfügt.
Die brandenburgische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka spricht von einem „psychologischen Vertrauensvorschuss“, welche die Uni nun genieße. Die Stiftung sei keine staatliche Einrichtung, sondern ein Stück Staatsferne, wodurch die Motivation der Mitarbeiter gesteigert und ihre Identifikation mit der Uni gefördert werde. Der Staat sei im Wesentlichen auf seine Rechtsaufsicht sowie seine Mitwirkungs- und Entscheidungsrechte im Stiftungsrat beschränkt.
Unberührt bleibt durch die Umwandlung der Universität die Selbstverwaltungsstruktur; der Haushaltsplan wird nach demselben Verfahren wie bisher aufgestellt. Auch für die Studenten ändert sich prinzipiell nichts, weil es sich eben nicht um eine private, sondern um eine öffentlich-rechtliche Stiftung handelt. Studiengebühren wird es weiterhin nicht geben. Der Status der Lehrkräfte ändert sich lediglich insofern, als dass sie nicht mehr Landesbedienstete, sondern Angestellte bzw. Beamte der Stiftung sind.
Es scheint also, als sei die Wahl der neuen Rechtsform mit erheblich weniger kurzfristigen Veränderungen verbunden als viele dies zunächst vermutet hatten. Aber ist dies tatsächlich der Weg zum großen Geld? Ein Kapitalstock muss schließlich eine gewisse Größe haben, damit er überhaupt Gewinn abwirft. Und selbst die erfolgreichsten deutschen Hochschulen sind weit von den Spendensummen amerikanischer Universitäten entfernt, wo das Sammeln von Spenden („Fundraising“) professionell betrieben wird. Der Stiftungsfond der Universität Harvard beispielsweise beläuft sich auf 35 Milliarden Dollar. Allein im Haushaltsjahr 2003/2004 durfte man sich dort über 540 Millionen gespendete Dollar freuen. Von solchen Einnahmen können deutsche Universitäten nur träumen. Nur selten machen Spenden hierzulande mehr als 5% des Gesamtetats einer Uni aus. Klar im Vorteil sind Universitäten, die ihren Schwerpunkt auf Wirtschaftswissenschaften oder technische Fächer gelegt haben, da sie häufig einen engen Kontakt zu Unternehmen haben.
Doch auch wenn wir von amerikanischen Verhältnissen weit entfernt sind und nur wenige Universitäten bisher mit dem Aufbau eines Fundraising-Systems begonnen haben, kann sich die Entscheidung für eine Stiftungsuniversität langfristig betrachtet durchaus lohnen. Wenngleich der Uni-Haushalt nur minimal aufgestockt werden kann, so ist ein grundlegender Vorteil nicht von der Hand zu weisen: Die Zinsen, die der Kapitalstock abwirft, fließen regelmäßig und stehen der Uni zur freien Verfügung.
Auch an der Viadrina wird es ca. 20 Jahre dauern bis das Stiftungskapital in der Höhe aufgebaut ist, dass es die erforderliche Rendite abwirft. Jetzt ist die Uni selbst gefordert ihrer neuen Rolle gerecht zu werden und Sponsoren zu werben. „Das ist nicht ein Zug, der losfährt, und bei dem wir nichts mehr machen müssen. Im Gegenteil: Das sind neue Chancen, neue Verantwortlichkeiten - das verlangt Kraft“, so Gesine Schwan. Unternehmen aus Ostbrandenburg haben bisher 200.000 Euro gestiftet. Auch einzelne Bürger zeigen sich engagiert. So hat der erste Rektor der Viadrina, Hans Weiler, bereits testamentarisch festgelegt, dass die Viadrina einen Teil seines Vermögens erhalten wird. Die Präsidentin der Uni ist überzeugt, dass die Uni vorzüglich dastehe und in der Lage sei, weitere mehrsprachige Studiengänge einzurichten, ausländische Studenten mit Stipendien zu fördern und die Ausbildung von Doktoranden zu verbessern.
Julia Hagenkötter, Europa-Universität Viadrina
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