C.F. Müller Campus – Lernmaterialien, Skripte und KlausurentrainingJura auf den Punkt gebracht, kostenlose Klausuren. Sachverhalt und die Lösungsskizze für jeden Fall.

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Wer lernt was mit wem woraus?

Was man wohl trotz einer langen Schullaufbahn und eines fast abgeschlossenen Studiums nie gänzlich lernen wird, ist das „Lernen lernen“. Die Versuche bereits Grundschülern zu erklären, dass man sich Dinge ganz leicht merken kann, indem man sie 7 Mal wiederholt, und jeder faule Versuch sich selbst zu überlisten, indem man nur schnell ins Kurzzeitgedächtnis reinpaukt, sinnlos ist, fruchten nicht. Die Bequemlichkeit und das eigene Erfinderreichtum sind stärker als das rationale Denken bzw. die trockene Vernunft. Oft wird daher versucht mit so wenig wie möglich so viel wie möglich zu erreichen. Dabei wird jedoch nicht bedacht, dass ein nicht benutztes Gehirn wie ein nicht aktivierter Muskel ist. Je mehr man ihn ruhen lässt, desto kraftloser wird er und je mehr man ihn wiederum einsetzt und Kraft und Energie aufwendet, desto leistungsstärker wird er auch wieder. Da es aber beim Sport wie beim Lernen erfreuliche und unerfreulichere Methoden gibt um ans Ziel zu kommen, gilt es die unterschiedlichen Möglichkeiten zu beleuchten.

WER

Es gibt den Hardcore-Studenten, der auf einem harten, knarrenden Stuhl im Juridicum sitzt und lernt.
Vorteil: Die „Kellerverließ-Wasser-und-Brot“ -Methode sorgt ganz sicher für beschleunigtes, voll fokussiertes Lernen; für eine ungeteilte Konzentration und Polarisation der Aufmerksamkeit auf juristische Meinungsstreitigkeiten. Fernseher, Radio, Telefon, Internet und andere beliebte moderne Zeittöter der Unterhaltungsindustrie sind ganz weit weg.
Nachteil: Der donnernde Hall von Stöckelschuhen und die Tatsache, dass jedes kleine Husten in die Stille dieser Bibliothekssaalaskese prescht. Damit kommt leicht das unangenehme Gefühl auf ja lieber stocksteif sitzen zu bleiben als durch eine unbedachte Bewegung oder ein Räuspern aufzufallen. Ein weiterer Nachteil beim Lernen im Juridicum sind unliebsame Kommilitonen, die Lehrbücher oder Zeitschriftensammlungen verstecken oder wichtige Seiten herausreißen und mitnehmen. Zudem sind Essen und Trinken meist nicht erlaubt, was die Arbeitsatmosphäre leiden lässt. Mangelnde Kontakte zur Außenwelt führen außerdem zur sozialen Desintegration. Deswegen wird dem Hardcore-Juristen geraten mittags in die Mensa zu gehen, um sich mit anderen Leidengenossen auszutauschen (= Networking).

Dort trifft er vielleicht auch auf den Studenten, der daheim in seiner Wohlfühlumgebung lernt, weil er nur dort seine optimalen Lernvoraussetzungen vorfindet. Zu Hause hat er seinen perfekten Arbeitsplatz, Unmengen an Lehrbüchern, seine ausreichende Lebensmittelgrundversorgung direkt am Schreibtisch und genau die Bewegungsfreiheit, die er braucht. Oft läuft er auch mit Lehrbüchern und Karteikarten durch die Gegend wie die Stoiker durch die Säulenhalle. Er ist ein meist nachtaktiver Zeitgenosse, da auch seine Umgebung erst dann so richtig zur Ruhe kommt, und keiner sein Verhalten mehr als ein Aufmerksam machen auf zu viel Freizeit fehldeutet.
Vorteil: alle Grundvoraussetzungen zum Lernen sind erfüllt.
Nachteil: deine Umgebung denkt, du simulierst.

Der Hardcore-Jurist ist auch der perfekte Mann für den Lernplan. Er verfügt über ein so hohes Maß an Selbstdisziplin, dass er diesen quasi als Fünfjahresplan aufstellen kann und einhält! Doch auch für Menschen mit einem geringeren Maß an eigenem Ansporn und Selbstüberwindung, kann dieser trotzdem ganz gut funktionieren, wenn darin feste Vorlesungstermine integriert und Lernzeiten mit Gruppen oder einzelnen Kommilitonen eingeplant sind, da man dadurch auch noch eine Art der Fremdrechenschaft ablegen muss, und nicht ganz alleine gegen den inneren Schweinehund ankämpft.

WAS

Jura lernen bedeutet vor allem auch lernen allgemeine Grundsätze und Rechtsprinzipien anwenden zu können sowie Rechtsgedanken und ein systematisches Vorgehen auf einen anderen Fall übertragen zu können. Oft wollen Klausursteller sehen, dass man allgemein Erlerntes auf ein fremdes Rechtsgebiet transferieren kann, daher: nicht von unbekannten Normen einschüchtern lassen! Außerdem sollte das Lehrbuchwissen zu dem anhand des Falls erlernten Wissen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Ein zu tiefer Einstieg und Aufenthalt an den Lehrbüchern raubt die Zeit für das breite Spektrum, das man abdecken muss. Sich Lehrbuchwissen zu erarbeiten ist sehr zeitintensiv und unrentabel, wenn man den Blick für die Ansiedlung der Problematik im Fall verliert und das mühsam und umfangreich erlernte Wissen nicht einzubringen lernt. Fallangewandt eingeübtes Wissen ist hingegen leichter in der Klausur als Problemschwerpunkt wieder zu finden und daher rentabler; daher empfehlen sich auch vor allem Klausurenkurse und Skripte für ein erfolgreiches Lernkonzept.

MIT WEM

Lerngruppen vs. Autodidakt - Ideal ist natürlich der Austausch und die Konversation mit Kommilitonen, die auf demselben Lernniveau sind, in der Lerngruppe. Hier kann man sich gegenseitig abfragen, Fallaufgaben zum Lösen vorlegen und sich gegenseitig motivieren. Außerdem erlernt man nebenbei die „Soft Skills“ oder rhetorische Schlüsselqualifikationen, auf die viel Wert gelegt wird, und die wertvolle Fähigkeiten für die Zukunft darstellen. Sehr hilfreich kann es jedoch auch sein, den neu erlernten Stoff Laien zu erklären, um so zu sehen, ob man ihn wirklich verstanden hat oder ob er nur vom Verständnis her abnickbar, aber nicht zum Erklären und selbst Anwenden abrufbar ist. Das Finden einer Lerngruppe gestaltet sich leider oft schwierig, da bei Juristen das Ellenbogen-Prinzip vorherrscht und mitwissende Kommilitonen somit zur Gefahr und Konkurrenz werden. Daher schauen viele ganz genau, an wen sie Informationen herausgeben und inwieweit. Ein kleines eigenes Netzwerk aufzubauen, bzw. die Solidarität unter allen zu fördern, ist daher sehr nützlich und im Endeffekt für alle sehr gewinnbringend.

Vieles muss man sich natürlich auch im Selbststudium aneignen; selbst eine gute Vorlesung gehört vor- oder wenigstens nachbereitet und für die Kurse beim Repetitor gilt dasselbe. Das eigene Lernen wird durch nichts ersetzt, die eigene Lernanstrengung und das noch mal Nachvollziehen in eigenen Gedanken und Rekapitulieren ist immer wertvoller, als sich nur „berieseln“ zu lassen und von einem passiv erworbenen Scheinwissen auszugehen, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Und es ist grundsätzlich besser auf eine schwache Vorlesung zu verzichten, wenn man in derselben Zeit selbst mehr hinkriegt.

WORAUS

Sehr empfehlenswert sind Skripten und aktuelle Aufsätze zu prüfungsrelevanten Themen aus der JuS, JA, JURA, Life & Law oder NJW. Vor allem für die Examensvorbereitung sind die Klausurenkurse und Examens-Repetitorien vom C. F. Müller-Verlag und Achso-Verlag hervorragend. Parallel dazu eignen sich Studienkommentare sehr gut, um gezielt die relevantesten Probleme einer bestimmten Anspruchsgrundlage oder Norm nachzuschlagen.

Nicht erlaubt, aber sehr effektiv sind Spickzettel, sprich: Kurzzusammenfassungen über ein Themengebiet. Selbst, wenn man ihn nicht benutzt, soll er sich angeblich schon ohne Einsatz „am Tatort“ lohnen, weil man durch die Vorbereitungshandlung schon einen enormen Lerneffekt für die Prüfung hat.

Karteikarten sind unter dem Gesichtspunkt schon nützlich, dass man eine eigene Lernanstrengung aufbringen muss, bzw. mehr dazu angehalten ist, als bei einem Lehrbuch oder Skript, das man eher „herunterlesen“ kann. Allerdings gibt es hier sehr große Qualitätsunterschiede, positiv erscheint bei den Karteikärtchen Marke Eigenbau das systematische Denken, das das Entwerfen einer Karte erfordert, zudem erfordert das Schreiben jedoch auch Zeit und eine „Verwaltung“ des ganzen Apparates nach Themenbereichen.
Nachteil: Unüberschaubarkeit.

Lernfreie Zeiten
Ganz wichtig und nicht zu vergessen sind Belohnungen. Belohnungen in Form von lernfreien Zeiten helfen, dass das Erlernte sich setzen bzw. dass man es verarbeiten kann und sie steigern das Lernvermögen bis zu dem ersehnten Zeitpunkt der Auszeit. Wer Pausen einlegt, mag zwar erst zurückfallen, rudert jedoch im Endeffekt kontinuierlich und routiniert im konstanten Tempo an den anderen vorbei, denen die Luft ausgeht.

Auch Gedächtnis- und Logiktraining fördert das analytische Denken, das man sich für juristischen Denksport wiederum zu Nutze machen kann. Außerdem kann sich Klavier spielen1 als Hobby allgemein als sehr großer lerntechnischer Vorteil erweisen. Es aktiviert nachgewiesenermaßen beide Gehirnhälften und stellt neue Verbindungen (neuronale Vernetzungen) her, die das Lernen erleichtern.

Mein persönlicher Favorit: Das „Stasi-Prinzip“
gehört in die Reihe der Fremdrechenschafts-Kontrollmodelle. Es beruht auf dem Lernplan-Konzept; man überlegt sich, was man in den nächsten Wochen ungefähr lernen könnte, dann teilt man 6 Freunde - jeweils einen pro Wochentag - zu. Diesen Leuten schickt man dann entweder seinen Lernplan, oder man schreibt ihnen am Abend zuvor, was man am nächsten Tag genau abarbeiten will. Am Abend des betreffenden Tages schickt man dem entsprechenden Freund dann einen Bericht über die tatsächliche Umsetzung des Geplanten.
Vorteil: ein todsicheres System für alle, bei denen der normale Lernplan an der mangelnden Selbstdisziplin scheitert.
Nachteil: dieses System funktioniert nicht, wenn man ein Meister darin ist, sich bei seinen Freunden jeden Tag mit einer Flut neuer Ausreden zu entschuldigen.

Letztendlich muss jeder selbst herausfinden, mit welchen Lern- und „Anspruchsvoraussetzungen“ er zum erstrebten Examensziel kommt. Dieses hat glücklicherweise mit den ganz unterschiedlichsten Modellen Aussicht auf Erfolg.

Sarah Gog

1http://www.focus.de/schule/lernen/forschung/wissen-spielen-auf-der-klaviatur-des-gehirns_aid_231765.html  und http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/38/175510/


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