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Examen ohne Repetitor -
ein mögliches Erfolgsmodell

Auch wenn die ersten Semester des Jurastudiums vor allem dem Scheinerwerb und dem Befriedigen von Freizeitbedürfnissen dient, wird auch dem langsamen Studenten spätestens im sechsten Semester völlig klar, dass nun das Examen vor Tür steht.

Die Examensvorbereitung
Dabei gilt es auch, eine schwierige Frage zu klären. Nämlich die der effektivsten und sichersten Methode der Examensvorbereitung. Dabei sollte beachtet werden:
Nicht die größtmögliche Selbstknechtung, sondern eine kluge und durchdachte Planung führt zum Erfolg. Und da steht man nun vor der Entscheidung: Examen mit oder ohne kommerziellen Repetitor?!

Die Vorteile des Eigenstudiums
Die Repetitorien werben mit markigen Sprüchen und manch einer glaubt tatsächlich, dass nur das Überweisen eines großen Geldbetrages zum Erfolg führt. Dieser Artikel soll aber die Vorteile aufzeigen, die ein Eigenstudium ohne kommerzielle Unterstützung bringen.

Dabei fließen die Erfahrungen des Autors ein, der selbst ohne Repetitor, aber dafür mit der richtigen Literatur von C.F.Müller, sein Examen erworben hat und nun an der Juristenfakultät Leipzig in einer Examensoffensive als Alternative zu Hemmer, Alpmann und Co als Tutor unterrichtet.

I. Der Lernplan am Anfang beseitigt Kummer am Ende
Das richtige Examen will organisiert sein. Kein Pilot steigt in seine Passagiermaschine, ohne vorher die Route geplant zu haben. Dabei orientiert er sich am Wetter und den Flugbedingungen.

Genauso muss der Student den fast unerschöpflichen Stoff in einer knappen Zeit (bestenfalls 1 Jahr) bewältigen. Er orientiert sich am Stoff der gesamten Semester unter Beachtung der Vorgaben des Justizprüfungsamtes.
 
Ein perfekter Lernplan enthält eine Stoffgliederung, die realistisch auf die zur Verfügung stehende Zeit verteilt ist. Dabei sollten Pausenzeiten, Urlaub und auch ein freier Sonntag mit berücksichtigt werden (der Student braucht auch Ruhephasen - Seien Sie ehrlich zu sich! Nettolernzeit ist anders als die brutto zur Verfügung stehende Zeit). Eine maximale Lernzeit von 6 Stunden pro Tag sollten nicht überschritten werden. Berücksichtigt man Pausenzeiten und eine ausgedehnte Mittagspause, dann ist ein Tag auch vorbei.

II. Ein Ausgleich ist wichtig
Kein Mensch kann immer nur arbeiten. Das führt zu einer Unausgeglichenheit und spätestens nach einem Jahr zum Burn-Out oder Black Out.

Das kann nicht das Ziel des Lernenden sein. Deshalb empfiehlt sich die Einbeziehung von außerjuristischen Aktivitäten in die Lernplanung. Wie jeder einzelne entspannt, ist ganz unterschiedlich. Sehr empfehlenswert ist das Bewegen an der frischen Luft oder ein - natürlich ungefährlicher - Sport. Hierbei kommen Schwimmen, Laufen und auch der Besuch eines Fitnessstudios in Betracht.

Dieser Ausgleich sollte nicht unterbewertet werden. Denn nur wer körperlich fit ist, wird die Strapazen des Examens überstehen, aber natürlich muss man kein Leistungsportler sein. Nicht zu vergessen ist, dass das lange Sitzen und die stickige Luft in einem Lernraum nicht gerade gesund sind.

Eine regelmäßige Lüftung des Arbeitszimmers, eine gesunde Ernährung und viel frische Luft sind auch in der Examensvorbereitung wichtig.

III. Das Gründen einer Lerngruppe schafft Freu(n)de
Von immenser Wichtigkeit ist, dass der Jurist sich exzellent ausdrücken kann und dies sowohl schriftlich wie auch mündlich. Insofern eignet sich dafür perfekt eine Lerngruppe. Sie sollte aus mindestens 3 Kandidaten bestehen.

Einer in der Gruppe besorgt immer den Fall und arbeitet diesen durch. Es empfehlen sich Fälle aus den gängigen Ausbildungszeitschriften. Dann lösen die anderen den Fall in Eigenarbeit. Zum Finale wird der Fall besprochen. Dabei ist das Austauschen von Argumenten und Formulierungen besonders wichtig.

Eine Lerngruppe trägt zudem ganz stark zur Motivation bei. Ist ein Teilnehmer mal unmotiviert oder hat gerade sein Lerntief, können die anderen unterstützend eingreifen. Eine Lerngruppe schafft Zusammenhalt und Wissensvertiefung.

IV. Die richtige Literatur als Schlüssel zum Erfolg
Wenn Repetitoren auf ihre Unterrichtsmaterial schwören, kann der Student ohne Repetitor nur müde lächeln. Denn ohne kommerziellen Anbieter ist man relativ frei in der Auswahl seiner Lernmaterialien. Und dies hat unheimlich viele Vorteile.

So sollte man sich auf eine Buchreihe konzentrieren. Dafür stehen auf dem Markt viele Produkte zur Verfügung. Eine qualitativ hochwertige Alternative stellt der C.F.Müller Verlag mit seiner JURIQ Reihe dar. Für alle Rechtsgebiete gibt es sehr gute Skripten.

Ergänzend kann man die Unirep Jura – Reihe (jetzt grün, früher gelb) benutzen. Diese Bücher sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Anstatt sich den Stoff aus fünf Büchern herauszusuchen, wird in diesen Werken der Stoff kurz, prägnant und fallorientiert vermittelt. Ich selbst empfehle sehr oft in meinen Tutorien das Examens Repetitorium - Buch von Jäger im Strafrecht. So eine hervorragende Darstellung des examensrelevanten Stoffes findet man kaum in der unüberschaubaren Anzahl von Jurabüchern.

V. Ganz ohne Vorlesungen?
Natürlich muss man auf die Unterstützung durch Tutorien, Repetitorien und Veranstaltungen nicht verzichten. Viele Universitäten bieten inzwischen gute und auf die Bedürfnisse der Examenskandidaten zugeschnittene Alternativen zu den kommerziellen Anbietern an.

An einigen deutschen Unis gibt es auch einen vorlesungsbegleitenden Examensklausurenkurs. Dieser sollte dringend genutzt werden. Schließlich ist das Examen ein Klausurexamen und nur die Übung macht den Meister.

Man sollte so viele Klausuren wie möglich unter echten Examensbedingungen geschrieben und gelöst haben. Unter www.juracademy.de gibt es nun auch eine neue Möglichkeit der Examensvorbereitung, das E-Learning. Solche Angebote sollte man nutzen, sie sind erschwinglich und zeitsparend.

VI. Ein Blick in die Fachzeitschrift und man ist auf einem aktuellen Stand
Das Studium einer Fachzeitschrift, die auch die aktuelle Rechtsprechung wiedergibt, gehört ebenfalls zur gründlichen Examensvorbereitung. Dabei sollten die Entscheidungen aufgearbeitet und vielleicht auf Karteikarten auch vermerkt werden.

Letztendlich ist die Examensvorbereitung eine harte Zeit, die aber auch vom Erkenntnisgewinn geprägt ist. Von dem gesparten Geld (ca. 1500 Euro), das man für ein Unternehmen gezahlt hätte, dass mit der Angst Geschäfte macht, kann man nach dem schriftlichen Teil des Examens einen schönen Urlaub machen oder sich gute Studienliteratur zulegen.

Matthias Cedra, Rechtsreferendar und Tutor an der Universität Leipzig


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