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Auslandspraktikum in Rom - ein Erfahrungsbericht |
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Ich habe mein Auslandspraktikum in der Zeit von August bis Oktober 2009 bei der Rechtsanwaltskanzlei Patti Avvocati & Rechtsanwälte in Rom unmittelbar im Anschluss an mein zweites Semester absolviert. Der Wunsch, einmal eine Zeit lang im Ausland zu leben sowie meine Italienischkenntnisse zu verbessern und die Arbeits- und die Denkweise ausländischer Juristen kennen zu lernen, waren dabei die ausschlaggebenden Aspekte.
Italien hatte schon lange vor Beginn der Vorbereitungen auf mein Praktikum eine große Faszination auf mich ausgeübt, sodass für mich schnell feststand, meine erste Praktikumserfahrung dort zu erwerben. Für mich stand allerdings auch fest, dass ich nur dann ein Praktikum im Ausland absolvieren könnte, wenn ich ein entsprechendes Stipendium hierfür bekäme. Meine Kommilitonin, die meine Begeisterung für Internationales teilt, empfahl mir Student und Arbeitsmarkt, den Career Service der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).
Als ich mich für ein Praktikum im Ausland entschieden habe, ging es mir aber nicht ausschließlich um juristische Weiterbildung und Verbesserung von Karrierechancen, sondern auch um eine schöne, interessante Zeit, darum, neue Menschen zu treffen, zu reisen und das Leben in einer ganz anderen Umgebung als ich sie bisher kannte, kennen zu lernen und zu genießen. Rom, die auch als „Ewige Stadt“ bezeichnete Metropole an den Ufern des Flusses Tiber mit ca. 2,7 Mio. Einwohnern, die außerordentlich reich an bedeutenden Baudenkmälern und Museen ist, hat sich da geradezu aufgedrängt.
Die Zeit die ich dort verbracht habe, kann ich als die schönste meines bisher kurzen Studiums bezeichnen. Ich wurde vom Kanzleiteam sehr herzlich empfangen und fühlte mich dort von Anfang an wohl. Ein Tätigkeitsschwerpunkt der Kanzlei, die sowohl in Rom als auch in München einen Standort hat, besteht in der Bearbeitung grenzüberschreitender Mandate auf den wichtigsten Gebieten des Zivil- und Handelsrechts. Prof. Avv. Salvatore Patti, mein Praktikumsbetreuer, führt den Hauptsitz in Rom. Er ist Ordinario di Diritto Privato an der Universtià degli Studi di Roma „La Sapienza“ und Professore di Diritto Civile an der Università Bocconi di Milano und erhielt den Orden „Cavaliere della Repubblica Italiana“ für wissenschaftliche Verdienste. Für mich war wichtig, durch das Praktikum einen Einblick zu gewinnen, wie mit einer Materie, die ich schon aus meinem Studium hier in Deutschland im Wege der fachspezifischen Fremdsprachenausbildung (FFA) an der LMU kannte, in dem jeweiligen Land selbst umgegangen wird. Dieses Ziel habe ich voll erreicht.
Meine anfängliche Angst, zwei Monate durchgehend nur Kaffee kochen zu müssen oder Kopierarbeiten zu erledigen, war völlig unbegründet. Ich durfte mir verschiedenste Akten ansehen, die Anwälte zu spannendsten Gerichtsverhandlungen (untere und obere Instanzen) begleiten und einige (Miet-, Bau-, usw.)Verträge übersetzen. Unter Herausgeberschaft von Prof. Patti haben die Anwälte der Kanzlei in Zusammenarbeit mit italienischen und deutschen Wissenschaftlern Übersetzungen sowohl des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) als auch des italienischen Zivilgesetzbuchs (Codice civile) veröffentlicht. So bestand meine Hauptaufgabe während des Praktikums darin, die Vorschriften des "Codice del Consumo" ins Deutsche zu übersetzen.
An der Übersetzung des o. g. Werkes arbeitete während der Dauer meines Aufenthaltes auch noch eine Referendarin aus Deutschland, mit der ich mich austauschen konnte, was auch sehr nützlich war. Sehr angenehm fand ich es auch, dass man mir im Wesentlichen freistellte, wann ich meine Arbeit begann. So hatte ich neben dem Praktikum ausreichend Gelegenheit, die zahlreichen wunderschönen Museen, Kirchen und Paläste in Rom kennen zu lernen. Die Stadt Rom ist faszinierend, die Werke der Antike stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gebäuden unserer Zeit, aber auch die entspannte Atmosphäre in der Bevölkerung ist wohltuend.
Zu meiner Freude und Begeisterung hatte ich auch die einmalige Gelegenheit im Rahmen eines Privatbesuchs, den ein Anwalt der Kanzlei dank seiner Beziehungen zum Vatikan organisieren konnte, durch Vatikanstadt in einem Auto gefahren zu werden und anschließend die Vatikanischen Gärten und Museen anzusehen.
Klingen meine Ausführungen bis hier wie eine Hommage an diese zwei Monate, so soll auch das einzig Negative nicht verschwiegen werden: Da Rom nicht gerade billig ist, war ich gezwungen, mir ein günstiges Zimmer zur Untermiete bei einer Familie in einem Vorort zu nehmen.
Abgesehen davon, dass dies eine tägliche Gesamtfahrzeit von 3 Stunden bedeutete, muss auch erwähnt werden, dass die Busse in Italien nicht so zuverlässig sind wie in Deutschland und ab ca. 22 Uhr kein Bus mehr in die Vororte fährt. So fuhr ich die ersten Tage ziemlich früh Heim und verbrachte die ersten Abende im Kreis meiner Gastfamilie, ohne Rom wirklich bei Nacht gesehen zu haben. Das, was ich allerdings hierdurch gewonnen hatte, ist unbezahlbar. Ich spielte mit den Kindern, half beim Kochen, wurde in die Gespräche der Familie miteinbezogen, so dass mein Wunsch, in eine andere Kultur einzutauchen, sich gänzlich erfüllt hatte. Die Sprachumstellung verlief ohne Schwierigkeiten. Ich muss erwähnen, dass es deutlich leichter war die Gesetzestexte oder die Verträge zu übersetzen, und damit das an der Uni Erlernte umzusetzen, als mit den Kindern ein Ratespiel zu spielen oder einen Einkaufszettel für das Abendessen aufzugeben. Doch sowohl die Eltern, als auch die Kinder waren immer bereit, unbekannten Vokabeln sei es verbal, sei es mit Gesten zu erklären. Außerdem besuchte ich zwei Mal wöchentlich nach dem Praktikum einen Sprachkurs, der von italienischen Studenten und Lehrern für Ausländer ehrenamtlich angeboten wurde und mich sprachlich ebenfalls förderte. Dank der Offenheit der Römer für Touristen lernte ich während meines Aufenthalts auch zahlreiche Leute meines Alters kennen, mit denen ich die Wochenenden verbringen konnte.
Insgesamt war das Praktikum eine sehr wertvolle Erfahrung, ich hatte eine unvergessliche Zeit in Rom. Ich habe mich stets gut aufgehoben gefüllt und in fachlicher, aber auch in menschlicher und privater Hinsicht unendlich viel gelernt und mitgenommen. Ich habe sprachlich viel dazu gelernt, den Ablauf in einer Kanzlei miterlebt und all dies in einer der schönsten Städte der Welt. Als das Praktikum unmittelbar bevorstand, sah ich der angeblich langen Praktikumszeit von zwei Monaten skeptisch entgegen. Doch die Zeit verging wie im Flug, bei dem ich noch eine Familie, Freunde, Lieblingsstadt und Erfahrungen für das rechtswissenschaftliche Studium gewonnen hatte. Wenn möglich, würde ich gerne in meiner Wahlstation im Referendariat nach Rom zurückkehren. Ein Praktikum bzw. eine Station im Referendariat bei der Rechtsanwaltskanzlei Patti in Rom uneingeschränkt empfehlen.
Katharina Bojar, LMU München
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