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| Die Funktion des Schönfelders |
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Bildung soll Vorurteile abbauen. Während des Studiums macht man aber zahlreiche gegenläufige Erfahrungen. Ein Beispiel ist die Typisierung von Studenten der verschiedenen Fachbereiche anhand ihres Kleidungsstils. Hierbei haben sich Betriebswirte und Juristen als „besonders schick“ hervorgetan. Rosa Hemden und aufgestellte Kragen sind auf beiden Seiten gern gesehen. Privat sind diese Gattungen kaum voneinander zu unterscheiden. An der Universität jedoch sorgt ein kleines aber schweres Detail für den entscheidenden Unterschied: der Schönfelder.
Einige Funktionen dieses anfangs nur als Gesetzessammlung konzipierten Werks sind im folgenden Beitrag zusammengetragen.
I. Statussymbol Dicke Bücher machen Eindruck, egal was drin steht. So lässt man sich auch gerne mit dem ziegelförmigen Nachschlagewerk sehen. Obwohl er an sich einen sperrigen Eindruck macht, wird er selbst auf dem Weg zur Universität gerne offen getragen, um den eigenen Status als stud. iur. zu reklamieren. Auch wenn die fachfremden Studienkollegen bereits aus der Bibliothek an diesen Anblick gewöhnt sind, erstarren doch zumindest viele juristischen Laien förmlich aus vor Ehrfurcht vor dem Gesetz. Zumindest wird eine Art von Respekt gegenüber dem Träger der kodifizierten Staatsgewalt empfunden, da dieser das Ganze lesen, verstehen und, wie immer noch viele meinen, auswendig lernen muss. Ob von dem Respekt noch viel übrig wäre, wenn man nur die Vorschriften herumtragen würde, die man kennt, ist fraglich.
Auch vor der Familie macht diese Wirkung keinen Halt, sofern man nicht das Pech hat, in einer Juristenfamilie aufgewachsen zu sein. Im letzteren Fall fällt ein Schönfelder im Regal ja kaum auf, was den Effekt bedeutend mildert. Gegenüber Laien in der eigenen Sippe kann das Gesetz gar nicht geschickt genug im Regal – oder besser: offen auf dem Schreibtisch – platziert werden. Die Familie sieht, dass viel getan wird im Studium und kann beruhigt wieder nachhause fahren.
II. Kreativität Das Werkzeug des Juristen ist das Gesetz, das nach einheitlichen Methoden angewendet wird. Nur allzu verständlich wirkt da das Streben vieler Kommilitonen nach Individualität. Auch um dieses Bedürfnis zu befriedigen, wird das Buch gebraucht. Man sollte hier zwei Gruppen unterscheiden. Zum einen die Amateure, die durch bunte Verzierungen am Verpackungskarton ihrer Persönlichkeit Ausdruck verleihen. Wem ein kommerzieller Aufkleber zu wenig ist, der legt auch gerne mal selbst Hand an und bringt seine Individualität auf dem Karton zum Ausdruck.
Ganz anders dagegen die Profis. Sie geben ihrem besten Stück gleich eine völlig neue Verpackung. Everything goes: Leder oder Stoff, schwarz oder rot, alle Farben, alle Muster und Motive sind erhältlich – gegen Bares. Aber auch unter den Profis hat sich das eherne Gesetz der Oligarchie durchgesetzt und innerhalb der Profiliga wiederum eine elitäre Gruppe heraus differenziert: die Frauen. Unter der Gefahr gegen das AGG zu verstoßen, muss diese Gruppe hier doch gesondert abgehandelt werden. Denn nur sie hat es geschafft, aus einem Buch ein wahres Modeaccessoire zu machen. Es wird so treffsicher ins Gesamtoutfit eingepasst, dass man sich nicht sicher ist, ob die Handtasche oder das Buch besser zum Rest passen. Hierin sieht man vielleicht auch, warum Frauen im Studium häufig erfolgreicher sind als Männer. Sie schaffen es, aus einem Handicap einen Vorteil zu machen: Ein hässlicher Ziegel wird zum Schmuck!
III. Komfort Gerade Juristen braucht man nichts vom langen Bibliotheksalltag zu erzählen, der sich zu Hausarbeitszeiten auch weit bis in die Nacht erstrecken kann. Wer würde da nicht müde werden und gerne ein Nickerchen machen? Doch den Arbeitstischen der Bibliotheken fehlt es einfach am nötigen Komfort. So erscheint der Student bisweilen unausgeschlafen und müde. Das muss nicht sein! Denn auch hier hilft der Schönfelder. Einfach mit beiden Armen fest umschlingen und den Kopf seitlich drauf legen. Schon steht einem zehn- bis fünfzehnminütigen Schlafvergnügen nichts mehr im Wege. Wem der Kunststoffeinband zu kühl ist, der kann sich jederzeit eine Stofftasche für das neu entdeckte Kissen zulegen –gegen Bares.
IV. Kriminalität Gesetze werden zur Farce, wenn sie für das Unrecht eingesetzt werden. Leider eignet sich die Juristenbibel auch dazu. Hier wird nicht an etwaige Körperverletzungsdelikte gedacht, die sicherlich mit diesem gefährlichen Werkzeug ausführbar sind, sondern vielmehr an den Schmuggel von Waren. Welchen Waren? Lebensmittel. Die oben beschriebenen langen Bibliotheksaufenthalte machen schließlich nicht nur müde, sondern auch hungrig. Leider ist in Bibliotheken die Mitnahme von Speisen grundsätzlich untersagt. Diese Regel wird leicht dadurch umgangen, dass der Karton des Schönfelders zur Tupperbox zweckentfremdet, ja pervertiert wird. Brote, Obst, sogar eine ganze Asia-Box samt Stäbchen und Pekingsuppe lässt sich unbemerkt hineinschmuggeln. Dass die Suppe eine Gefahr für die Bücher darstellt, muss nicht näher erklärt werden.
Auch wenn man damit eine gewisse kriminelle Kreativität an den Tag legt, muss hier auf eine noch größere Gefahr hingewiesen werden: den Diebstahl. Denn die Schönfeldertaschen eignen sich nicht nur zum Hinein-, sondern auch zum Herausschmuggeln von Gegenständen. Obwohl Taschen, Rucksäcke und Laptoptaschen in der Bibliothek nicht erwünscht sind, wird dem in handlicher Tasche verpackten Gesetz dagegen Einlass gewährt. Man möchte nicht wissen, wie oft leere Taschen hinein und volle wieder hinausgetragen werden.
Der schlimmste Fall wäre eine Kombination beider Vorgehensweisen, wenn nämlich Essen samt Besteck hineingeschmuggelt und Bücher hinausgeschmuggelt würden. Ehe man sich’s versieht, ist man im Bereich des qualifizierten Diebstahls!
V. Kodifikation Ach ja, da wäre noch was. Im Schönfelder selbst stehen auch die für die Juristenausbildung relevanten Zivil- und Strafrechtsnormen, die hervorragend systematisiert, aktuell und kompakt an einem Ort nachgeschlagen werden können. Das leisten zwar auch viele Lehrbuch-Reihen, allerduings ohne den ganzen Spaß von I bis IV.
Stud, iur. Aleksandar Savanovic, Universität Konstanz
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